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Die Birke (Beitrag von Hans-Peter)

Melvins Stern

Melwin war ein Engel.

Kein besonders bedeutender Engel. Er saß nicht zur rechten Hand Gottes. Wenn alle Engel sich versammelten und sich niedersetzten, um Gottes Weisheit zu vernehmen, blieb Melwin im Hintergrund stehen. Melwin stand da, mit Eimer und Besen, und wartete. Und wenn er irgendwo ein Stäubchen entdeckte, rannte er gleich hin und kehrte es in seinen Eimer. Das war keine besonders große Aufgabe, wirklich nicht. Engel sind schrecklich sauber. In tausend Jahren konnte es vorkommen, dass einmal eine kleine Feder von irgendwoher herabschwebte. Aber Melwin war sofort zur Stelle und kehrte sie auf. Er wäre ja eigentlich lieber Wolkenwäscher gewesen. Oder noch lieber Sternputzer. Jedes Mal, wenn am himmlischen Anschlagbrett eine freie Stelle angezeigt wurde, war Melwin als erster da. Aber wenn er dann den Wolkenschrubber nehmen und die Wolken abschrubben sollte, war das Ding so groß, dass Melwin selbst unter die Borsten geriet und geschrubbt wurde. Und auch die Putztücher der Sternputzer konnte Melwin kaum hochheben. Wenn es ihm einmal gelang, dann blähte sich das Riesentuch auf und hüllte ihn in seine großen, weichen Falten, so dass er überhaupt nicht mehr zu sehen war. Aber Melwin gab nicht auf. Und eines schönen Tages - wer hätte das gedacht -, war er nicht nur als erster da, um sich zu bewerben. Er war sogar der einzige. »Was denn, bin ich zu früh?« fragte Melwin den Engel vom Dienst. Der Engel vom Dienst sah gar nicht von dem großen Hauptbuch auf, sondern schrieb weiter, Zeile um Zeile, mit dem langen Federkiel. »Nein«, sagte er. »Oder bin ich zu spät?« fragte Melwin. Der Engel vom Dienst malte den Querstrich des Buchstabens T und setzte einen Punkt auf das i. »Du bist rechtzeitig gekommen.« Er hielt Melwin ein Putztuch hin. »Geh zehn Millionen Meilen in westlicher Richtung und dann einen Schritt nach links. Da findest du den Stern, dem du zugeteilt worden bist.« Melwin traute seinen Ohren kaum. Er war Sternputzer geworden. Und seinen Augen wollte er auch nicht trauen: Das Putztuch hatte genau die richtige Größe für seine Hände. »Es ist nur ein sehr kleiner Stern«, sagte der Engel vom Dienst. »Willst du die Arbeit übernehmen?« »Oh ja, natürlich! « rief Melwin. »Gut. Alle anderen haben nämlich abgelehnt.« Es war auch wirklich kein Stern, mit dem man als Sternputzer viel Aufsehen erregen konnte. Er war schon sehr, sehr klein und glänzte nur matt. Aber er war alles, was Melwin sich je gewünscht hatte. Er putzte seinen Stern morgens und nachmittags. Und spät abends, wenn die anderen Sternputzer ihre Poliertücher schon weggelegt hatten, wischte und rieb Melwin immer noch weiter. Wenn er dann schließlich nach Hause gehen wollte, konnte er sich kaum losreißen. Immer wieder kam er zurück und wischte noch mal mit dem Ärmel über den Stern. Und ganz allmählich, nach und nach, viele Tage, viele Jahre, vielleicht sogar zweitausend Jahre später, fing Melwins glanzloser Stern an zu glänzen. Der Himmelsstrich, wo er stand, war früher finster und unheildrohend gewesen. Nun wurde er heller und freundlicher. Melwin war bei seiner Arbeit so froh, dass die Zeit verging wie im Fluge. Und er hätte auch bestimmt nichts von dem großen Wettbewerb erfahren, wenn sein Freund Gamaliel ihn nicht besucht hätte. Aber Gamaliel kam zu Besuch, und als er sah, wie Melwins Stern glänzte und funkelte, sagte er: »Du solltest dich mit deinem Stern an dem großen Stern-Wettbewerb beteiligen, Melwin. « Melwin sah sich nach seinem Stern um. »Er ist sehr klein für einen Wettbewerb. « »Von groß oder klein war nicht die Rede«, sagte Gamaliel. »Du hast da einen sehr schönen, strahlenden Stern, Melwin.« »Das stimmt«, sagte Melwin. Diesmal war Melwin aber nicht der erste in der Reihe. Nein, er war der Aller-Allerletzte. Vor ihm standen die großen Sternputzer-Engel, einer immer noch größer und mächtiger als der andere. Und jeder trug einen riesengroßen, leuchtenden Stern. Gamaliel stieß Melwin mit dem Ellenbogen an. »Vielleicht hätten wir doch nicht herkommen sollen«, flüsterte er. »Größe allein macht's nicht«, sagte Melwin, und rieb noch einmal über seinen Stern. Die lange Reihe der Sternputzer rückte langsam vor und zog an Gottes Thron vorbei. Und bei jedem der großartigen, glitzernden Sterne, die ihm vorgeführt wurden, schüttelte der Herrgott den Kopf. »Nein, nein«, sagte er. »Das ist nicht der richtige für einen Geburtstag.« Schließlich war nur noch Melwin übrig. Aber gerade in dem Augenblick, als Melwin mit seinem Stern vor den Herrgott treten sollte, erscholl ein Trompetenstoß. Der Himmel erzitterte, und die Engel erhoben mutlos die Hände. Der Erzengel Gabriel war gekommen, um sich mit seinem Stern an dem Wettbewerb zu beteiligen. Und der Erzengel Gabriel gewann jeden Wettbewerb. Mit seiner großen, goldenen Trompete in der rechten Hand und dem prachtvollen Stern in der linken, schritt Gabriel durch die Reihen der Engel. Er hielt Gott seinen Stern hin, und der Stern blitzte und funkelte in allen Farben, die es j e gegeben hatte und die es j e geben würde. Dann trat Gabriel zurück und wartete darauf, zum Sieger ausgerufen zu werden. Aber der Herrgott, der alles sieht, sah Melwin dastehen und warten. »Der Wettbewerb ist noch nicht abgeschlossen«, sagte er. »Komm, Melwin. Zeig mir deinen Stern.« Melwin trat vor und hielt seinen Stern hoch. Der Herrgott sah zu dem Stern herab, der ruhig und freundlich strahlte, und er nickte ein paar Mal und lächelte. »Du hast es verstanden, Melwin«, sagte der Herrgott. »Das ist der richtige Stern.« Alle Engel im Himmel jubelten und Gabriel ließ seine goldene Trompete erschallen. »Komm mit mir, Melwin«, sagte der Herrgott. Melwin fasste seinen Stern fester und lief hinter dem Herrgott her, der quer durch den Himmel schritt. Ab und zu sah der Herrgott sich um und betrachtete Melwins Stern und sein warmes, freundliches Licht. »Doch, der wird ihm gefallen«, sagte er. »Der wird ihm bestimmt gefallen. « Schließlich blieb der Herrgott vor einem dunklen, weiten Wolkenloch stehen. »Stell ihn hierher, Melwin. Ja so. Genau so.« »Wie gut er dahin passt«, sagte der Herrgott. »Sein Licht macht alles froh, was er bescheint. Sieh nur, Melwin. Sieh nur.« Melwin gab seinem Stern noch einen letzten Wischer mit dem Ärmel. Und dann, während der Stern noch strahlender und heller aufleuchtete, sah er hinab - auf die kleine Stadt Bethlehem.

Melwins Stern von Nathan Zimelman, Anette Bley

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3 Wünsche - von Kalle

Ein kleiner Junge stand vor einer Krippe, die sein Großvater geschnitzt hatte. Als der Kleine die Figuren intensiv anschaute, fingen diese plötzlich an, lebendig zu werden. Als er das Jesuskind anschaute, schaute das Kind auch ihn an. Da bekam der Junge einen Schreck, und Tränen traten ihm in die Augen.

"Warum weinst du denn?" fragte das Jesuskind. "Weil ich dir nichts mitgebracht habe", sagte der Junge. „Was kann ich dir nur schenken?“ "Ich würde gerne etwas von dir bekommen", entgegnete das Jesuskind.

Da wurde der Kleine rot vor Freude: "Ich will dir alles schenken, was ich habe", stammelte er. "Drei Sachen kannst du mir geben", sagte das Jesuskind.

Der Kleine fiel ihm aufgeregt ins Wort: "Meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, meine spannende DVD ..."?-

Nein", entgegnete das Jesuskind, "das alles brauche ich nicht. Schenk mir deinen letzten Schul-Aufsatz."

Wieder erschrak der Kleine. "Jesus", flüsterte er verlegen... „da hat doch der Lehrer ungenügend darunter geschrieben". "Eben deshalb will ich ihn haben", antwortete das Jesuskind. Du kannst mir immer das bringen, worauf 'ungenügend' steht. Versprichst du mir das?“ "Oh, sehr gern" antwortete der Junge und war sehr verwundert.

"Aber ich will noch ein zweites Geschenk von dir", sprach das Jesuskind..., "deinen Milchbecher".

"Aber den habe ich doch heute zerbrochen", entgegnete der Junge.

Das Jesuskind antwortete sanft: "Du sollst mir immer das bringen, was du im Leben zerbrochen hast. Gib es mir. Ich will es wieder heil machen.

Und nun zu meinem dritten Wunsch: Du sollst mir noch die Antwort bringen, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbecher kaputtgegangen wäre".

Da senkte der Kleine die Augen und weinte: "Ich, ich, ich ..."brachte er unter Schluchzen mühsam heraus... „ich sagte ihr, dass ich den Becher aus Versehen umgestoßen hätte. In Wahrheit habe ich ihn absichtlich auf die Erde geworfen."

"Ja, all deine Lügen, deinen Trotz, Bitterkeit, - alles Böse, das du getan hast, sollst du mir bringen", sagte das Jesuskind. Wenn du das tust, will ich dir helfen, es zu überwinden. Ich will dich annehmen in deiner Schwäche. Ich will dir vergeben, dich an deiner Hand nehmen und dir den Weg zeigen zum Guten.

„All das lässt du dir schenken?“ rief der Junge erstaunt, und spürte, wie eine Last von ihm wich. Noch nie war ihm die wahre Bedeutung von Weihnachten so klar geworden.

Nun waren die Krippefiguren wieder verstummt. Nicht weil sie nicht mehr reden wollten, sondern weil das Wesentliche immer im Herzen geschieht und dort zu leben beginnt, wo ein Kind anfängt, zu fragen: „Jesus, was kann ich dir schenken?“

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Als doch noch Weihnachten wurde

„Ich kann nicht mehr an Gottes Liebe glauben! Ich kann nicht! Meine Ehe - die Kinder- meine Krankheit! Nun hat auch noch mein Kleinster, der meine ganze Wonne und Freude war, durch eine Meningitis (Hirnhautentzündung) das Gehör verloren. Nennen sie das etwa Liebe Gottes in meinem Leben?

Meine Frau macht mir die Kinder abspenstig – mich behandelt sie wie einen Aussätzigen. Das Geld, das für den Haushalt verwendet werden soll, verwettet sie. Die Kinder verloddern und gehorchen nicht mehr. Und ich – ich liege hier festgenagelt mit meiner Lungensache. Ich kann nicht mehr an Gottes Liebe glauben – ich kann nicht! Verstehen Sie das? Und – und ich will es auch nicht!

Verbittert kommt es von den Lippen dieses schwerkranken Mannes. Ich wage nicht, noch weiter über die Liebe Gottes mit ihm zu reden. Mehr beten will ich für ihn, dessen Seele so wund ist in allem Leid und in aller Bitternis.

„Haben Sie ein Bild von Ihrem kleinen Horst da?“ frag ich ihn unvermittelt, um zu verhüten, dass er sich in noch mehr Bitterkeit hineinredet.

„Das ist es ja eben!“ poltert es aus ihm heraus. „Das ist ja eben!“ poltert es aus ihm heraus. „nicht einmal den bescheidenen Wunsch erfüllt mir meine Frau, dass sie mir ein Bild von dem Kleinen lässt. Dabei weiß sie genau, wie sehr ich grad an diesem Kind hänge! Das bestärkt mich nur noch mehr, mich von ihr scheiden zu lassen. – Ach, wissen Sie, mich ekelt das Leben nur noch an!

Ich werde vom Krankenbett weg an den Fernsprecher gerufen und kann im Augenblick nicht wieder zu dem Kranken zurückkehren. Immer wieder versuchte ich in den nächsten Tagen, dem armen Kranken eine kleine Freude zu machen. Ich stellte ihm ein Gotteswort auf seinen Nachttisch, streiche ihm schnell einmal im Vorbeigehen über die feuchte Stirn oder bringe ihm, da es Weihnachten werden will ein Adventszweiglein. Über Gottes Liebe rede ich nicht mehr mit ihm, sondern bete mehr denn je, dass Gott sich seiner erbarmen möge. 

Neue Anschuldigungen

In aller Herzlichkeit schreibe ich an die Ehefrau und erbitte ein Bild des Kleinsten für den Kranken zu Weihnachten. Wie ein Wunder ist es das die Frau mich umeine Aussprache bittet. Wir verabreden uns im Amt.

Mir tut das Herz weh über soviel Härte. Nur Anschuldigungen hat sie für den Mann, der so schwer danieder liegt. Hat sie denn überhaupt kein bisschen Mitgefühl mehr für ihn, der so leiden und sich quälen muss?

Ich erzähle ihr, wie sehr sich ihr Mann nah Frau und Kinder sehnt, wie sehr er sich um sie alle sorgt! Anfangs hat sie nur ein höhnisches Lachen dafür übrig. Als ich dann aber ernst mit ihr darüber rede, wie krank, ja wie sterbenskrank der Mann ist uns sie frage, ob sie denn die letzten Tage ihm so schwer machen will, dass er sich zuletzt noch voller Bitterkeit von ihr scheiden lassen wolle, da scheint doch noch etwas in dem Herzen dieser so harten Frau aufzutauen. Nein soweit dürfe es nicht kommen, meint sie. Um der Kinder willen dürfe das nicht geschehen, obgleich er sie alle – nun auch den Kleinsten – angesteckt habe.

Wir gehen auseinander, ohne dass ich sagen kann, was  bei dem Gespräch herausgekommen ist. Mir hat sich das Leid der Familie als eine schwere Gebetslast auf die Seele gelegt.

Weihnachten kommt

Für die Kranken wurde die Weihnachtsfeier zwei Tage vorverlegt. Überall auf den Stationen herrscht fröhliche Weihnachtsstimmung bei den Kindern wie bei den Erwachsenen. Die Männer sind wie große übermütige Jungen vor der Weihnachtsbescherung. Überaus wichtig haben sie es mit ihren selbst gebastelten Weihnachtsgeschenken für die Schwestern.

Alles ist weihnachtlich und voller Geheimnisse. Nur einer liegt da mit einem so abweisendem Gesicht, als gäbe es für ihn überhaupt keine Weihnachtsfreude, als ginge all das fröhliche Vorbereiten ihn nichts an.

Der Weihnachtsbrief

Still setzte ich mich zu ihm, als die Feier beginnt und aus rauhen Männerkehlen die alten, schönen Weihnachtslieder erklingen. Still und in sich gekehrt sitzen die Männer da, während einer der Männer das Weihnachtevangelium liest und ihnen die frohe Botschaft der Freude und des Friedens bringt.

Mit geschlossenen Augen liegt mein Kranker da. Still betend sitze ich neben ihm. Auf seinen bunten Weihnachtsteller habe ich ihm einen Brief von seiner Frau gelegt. Als er ihn plötzlich erblickt und in Händen hält, zögert er einen Augenblick, ehe er ihn öffnet. Ach, was mag in diesem kurzen Augenblick  alles in ihm vorgehen?

Ich lasse ihn ein Weilchen allein, um im Sprechzimmer meine eigene Weihnachtspost durchzusehen. Da sehe ich, dass die Frau des Kranken auch mir geschrieben hat. Als ich den Brief öffne fällt mir ein Bild des Kleinsten entgegen. Es ist ein Junge mit einer Hasenscharte – und doch, wie liebt ihn der Vater! Welch eine Weihnachtsfreude, ihm dieses Bildchen bringen zu dürfen!

Die Frau bittet mich, das Bild des Jungen auf den Weihnachtstisch zu stellen und ihrem Mann zu sagen, dass sie ihm die Hand zur Versöhnung reichen möchte. Am ersten Feiertag würde sie selbst kommen.

„Bitte beten sie mit mir“

Als ich leise die Tür zum Krankenzimmer öffne, liegt mein Kranker mit geschlossenen Augen in seinem Bett. Eine Träne nach der anderen rollt über die abgezehrten Wangen. Er hat mein Kommen nicht bemerkt. Der Brief von seiner Frau liegt auf der Bettdecke. Still leg ich das Bild des Jungen dazu.

Plötzlich öffnet er die Augen, sieht erstaunt auf das Bild, dann auf mich. Ein Schluchzen schüttelt den ausgemergelten Körper.

Sanft streiche ich ihm übers Haar und will dann gehen. Da greift der Kranke meine Hand und sagt: „ Gestern und vordem wollte ich nicht mehr an Gottes Liebe Glauben – und heute –heute erlebe ich es, dass ER dennoch – dennoch ein Gott der Liebe ist. Hier in diesem Brief bittet meine Frau mich um Verzeihung – und am ersten Weihnachtstag da kommt sie selber. Oh Weihnachten! – Friede auf Erden! Friede auch wieder in unserer Ehe! – Können sie begreifen, was das für mich heißt?“

O ja, ich kann es ein wenig verstehen, wie ihm zumute sein mag. Als ich ihm jetzt noch einmal vom Weihnachtsfrieden und von der Freude sagen darf, von der Liebe Gottes in Christus Jesus, da bittet er mich, mit ihm zu beten und Gott für alles zu danken. Er könne es ja noch nicht – aber er möchte es lernen. Wie gern bete ich mit diesem Kranken!

Als seine Kameraden vorsichtig ins Zimmer hereinschauen, strahlt er sie an und ruft: „Kommt nur, kommt! Wir wollen alle zusammen Gott danken! Nun – nun ist auch für mich noch Weihnachten geworden!

(aus: Advent und Weihnachten, Lexa Anders, Brockhaus Verlag)

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Urteilen

Urteilen zeugt von einem erstarrtem Bewusstseinszustand. Und der Kopf möchte immer gerne urteilen, denn es ist immer riskant und unbequem, in Bewegung zu bleiben. Sei sehr mutig, höre nicht auf zu wachsen, lebe im Augenblick, bleibe einfach im Fluss des Lebens.

Die folgende Geschichte trug sich zur Zeit des Laotses in China zu, und Laotse liebte sie sehr.

Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes Pferd. Könige boten phantastische Summen für dass Pferd, aber der Mann sagte dann: "Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Mensch. Und wie könnte man einen Menschen, einen Freund verkaufen?" Der Mann war arm, aber sein Pferd verkaufte er nie.

Eines Morgen fand er sein Pferd nicht mehr im Stall. Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: "Du dummer alter Mann! Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde. Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück."

Der alte Mann sagte: "Geht nicht so weit, das zu sagen. Sagt einfach: Das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache; alles andere ist Urteil., Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich nicht, weil dies ja nur ein Bruchstück ist. Wer weiß? was darauf folgen wird?"

Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war. Aber nach fünfzehn Tagen kehrte eines Abends das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit.

Wieder versammelten sich die Leute, und sie sagten: "Alter Mann, Du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich als ein Segen erwiesen."

Der Alte entgegnete: "Wieder geht ihr zu weit. Sagt einfach: Das Pferd ist zurück.....Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht? Es ist nur ein Bruchstück. Ihr lest nur einen einziges Wort in einem Satz - wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?"

Dieses Mal wussten nicht viel einzuwenden, aber innerlich wussten sie, dass der Alte unrecht hatte. Zwölf herrliche Pferde waren gekommen......

Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel dieser Sohn vom Pferd und brach sich die Beine.

Wieder versammelten sich die Leute, und wieder urteilten sie.

Sie sagten: "Wieder hattest du recht! Es war ein Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor."

Der Alte antwortete: "Ihr seid besessen vom Urteilen. Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat. Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen."

Es begab sich, dass das Land nach ein paar Wochen einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er verkrüppelt war. Der ganze Ort war von Jammern und Wehklagen erfüllt, weil dieser Krieg nicht zu gewinnen war, und man wusste, dass die meisten der jungen Männer nicht mehr nach Hause zurückkehren würden.

Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: "Du hattest recht, alter Mann - es hat sich als ein Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer fort."

Der alte Mann antwortete wieder: "Ihr hört nicht auf zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur dies: Dass man eure Söhne in die Armee eingezogen hat, und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott, nur das Ganze weiß, ob das ein Glück oder ein Unglück ist."

Urteile nicht, sonst wirst du nie eins werden mit dem Ganzen. Du wirst von Bruchstücken besessen sein, aus kleinen Dingen wirst du voreilige Schlüsse ziehen. Wenn du zu urteilen anfängst, hast du zu wachsen aufgehört. Urteilen zeugt von einem erstarrten Bewusstseinszustand. Und der Kopf möchte immer gerne urteilen, denn es ist immer riskant und unbequem in Bewegung zu bleiben.

Tatsächlich ist die Reise nie zu Ende. Der Pfad endet - ein anderer beginnt, die eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich. Du erklimmst einen Gipfel, es gibt immer einen höheren Gipfel. Gott ist eine endlose Reise. Nur Menschen, die mutig genug sind, sich über das Ziel keine Sorgen zu machen, die mit dem Reisen zufrieden sind. die zufrieden sind nur im Augenblick zu leben und in ihn hineinzuwachsen, nur solche Menschen sind fähig, mit dem Ganzen zu gehen.

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Kleinste Schritte

Auch wenn unsere Einflussmöglichkeiten als einzelne und auch als Familien nicht sehr weit reichen, so können wir doch in unserem Nahbereich einiges tun.

Franz von Sales wurde einmal von einem Schüler gefragt, was er für den Frieden tun könne. Seine Antwort war: "Schließen Sie die Tür etwas leiser."

So etwas können wir tun:

  • Weniger gewaltsam mit den Dingen, auch mit den kleinen, umgehen; ein wenig gewaltfreier vor allem das tägliche Miteinander gestalten.

  • Nicht erst die Faust im Gesicht des anderen ist Gewalt, sondern auch schon die Faust auf dem Tisch des Hauses oder der harte, verletzende Ton in der Stimme.

  • Eltern können unserer Gesellschaft Kinder schenken, die keine Gewalt von ihnen erleiden mussten und darum Scheu haben, Gewalt über andere auszuüben.

  • Nicht weniger wichtig ist die alltägliche und besondere Mühe um Versöhnung; dass Ehepartner, Eltern und Kinder, Freunde und Kollegen Schuld nicht als trennende Macht zwischen sich wachsen lassen, sondern sie durch Vergebung abtragen.

  • Wir können auch unsere politische Verantwortung deutlicher wahrnehmen. Dazu gehören wache Aufmerksamkeit für unfriedliche und kriegerische Situationen, vielleicht aber auch das Engagement in der Öffentlichkeit für Frieden.

  • Vieles davon muss im eigenen Herzen seinen Anfang nehmen. Können aber solch kleine Schritte der Versöhnung und des Verzichts auf Gewalt den Frieden in der Welt sichern? Nichts, was der eine oder andere tut oder lässt, ist ohne Folgen für die anderen. Es trägt mit bei zu klimatischen Veränderungen. Die vielen kleinen Versuche knüpfen das Netz, das den Frieden der Welt trägt und hält. An diesem Netz können wir knüpfen - alltäglich - täglich - jetzt!

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Eine besinnliche Geschichte - zum Nachdenken

Zum Nachdenken! Eines Tages bat eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler in der Klasse auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, Sie sollten überlegen, was das Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das sollten sie neben die Namenschreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter der Lehrerin. | Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre Mitschüler über den einzelnen aufgeschrieben hatten. | Am Montag gab sie jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle. "Wirklich?", hörte man flüstern .. "Ich wusste gar nicht, dass ich irgendjemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so mögen" ,waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen. Einige Jahre später war einer der Schüler in Vietnam gefallen und die Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre. Die Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte einer der Soldaten, die den Sarg trugen, zu ihr: "Waren Sie Marks Mathe Lehrerin?" Sie nickte: "Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen gesprochen." Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche. "Das wurde gefunden, als Mark gefallen ist. Wir dachten, Sie würden es erkennen." Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über Mark geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie das gemacht haben" ,sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das sehr geschätzt." Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin. Charlie lächelte ein bisschen und sagte: "Ich habe meine Liste auch noch. Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch". Chucks Frau sagte: "Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zukleben." "Ich habe meine auch noch", sagte Marilyn. "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei mir", sagte Vicki und meinte dann: "Ich glaube, wir haben alle die Listen aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr sehen würden. Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft, dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es ihnen, bevor es zu spät ist.

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Die 7 Weltwunder (Beitrag von Hans-Peter)

Eine Gruppe Schüler wurde gefragt, was die sieben Weltwunder sind. Trotz einiger Uneinigkeit, bekamen die meisten Wahlstimmen, die die Schüler auf kleine Zettel geschrieben hatten:

1. Pyramiden,
2. Taj Mahal,
3. Grand Canyon,
4. Panama Kanal,
5. Empire State Building,
6. St. Peters Basilika,
7. Chinesische Mauer

Als die Lehrerin die Wahlzettelchen einsammelte, bemerkte sie ein kleines Mädchen, das noch keinen Zettel abgegeben hatte. "Hast Du Schwierigkeiten mit der Liste?" fragt die Lehrerin.

"Ja, ein bisschen. Ich konnte mich nicht entscheiden, weil es so viele gibt." "Nun, sag uns mal was Du hast. Vielleicht können wir Dir helfen," sagte die Lehrerin.

Das Mädchen zögerte und las dann vor, "Ich glaube dass die sieben Weltwunder das sind:

1. Berühren
2. Schmecken
3. Sehen
4. Hören

Sie zögerte ein wenig und fügte hinzu:

5. Fühlen
6. Lachen
7. und Lieben

Es war still im Zimmer, dass man eine Stecknadel fallen hören konnte.

Wir übersehen die einfachen und gewöhnlichen Dinge, die wirklich wunderbar sind.

Eine kleine Erinnerung zu Weihnachten, dass wir die wertvollsten Dinge nicht kaufen können.

Merry Christmas.

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Der kleine Skeptiker

Im Bauch einer schwangeren Frau waren einmal 3 Embryos. Einer davon ist der kleine Gläubige, einer der kleine Zweifler und einer der kleine Skeptiker.

Der kleine Zweifler fragt:
Glaubt ihr eigentlich an ein Leben nach der Geburt?

Der kleine Gläubige:
Ja, klar das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir dann stark genug sind für das, was uns erwartet.

Der kleine Skeptiker:
Blödsinn, das gibt es doch nicht, wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?

Der kleine Gläubige:
Das weiß ich auch nicht so genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen.

Der kleine Skeptiker:
So ein Quatsch! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das gar nicht, dass es ein Leben nach der Geburt gibt, weil die Nabelschnur schon jetzt viel zu kurz ist.

Der kleine Gläubige:
Doch, es geht bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.

Der kleine Skeptiker:
Es ist noch nie einer zurückgekommen von nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine einzige Quälerei. Und dunkel.

Der kleine Gläubige:
Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen.

Der kleine Skeptiker:
Mutter?!? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?

Der kleine Gläubige:
Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein.

Der kleine Skeptiker:
Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie was gemerkt, also gibt es sie auch nicht.

Der kleine Gläubige:
Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt. Ich glaube auf jeden Fall, dass unser eigentliches Leben erst dann beginnt!

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Die Geschichte von  'Oriah Mountain Dreamer', einer indianischen Stammesältesten, die schon lange in der kanadischen Großstadt Toronto lebt und lehrt.

Diese Oriah hat "Die Einladung" geschrieben, als sie einmal spät abends von einer Party nach Hause kam. Sie war genervt und enttäuscht von diesem Abend, an dem es nichts als den üblichen Smalltalk gegeben hatte. Innerlich aufgewühlt setzte sie sich in der Dunkelheit an ihren Schreibtisch und lauschte, wie nach und nach die Geräusche der Großstadt verebbten und es ruhig wurde. Und als es endlich ganz still war, griff sie nach ihrem Stift und schrieb auf, was sie den Menschen an diesem Abend eigentlich hatte sagen wollen:

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, womit du dein Geld verdienst. Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du die Erfüllung deines Herzenswunsches zu träumen wagst. Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. 

Ich will wissen, ob du es riskierst, dich zum Narren zu machen, auf deiner Suche nach Liebe, nach deinem Traum, nach dem Abenteuer des Lebens.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten ein Quadrat zu deinem Mond bilden.

Ich will wissen, ob du deinem Leid auf den Grund gegangen bist und ob dich die Ungerechtigkeiten des Lebens geöffnet haben, oder du dich klein machst und verschließt, um dich vor neuen Verletzungen zu schützen. Ich will wissen, ob du Schmerz - meinen oder deinen eigenen – ertragen kannst, ohne ihn zu verstecken, zu bemänteln oder zu lindern.

Ich will wissen, ob du Freude - meine oder deine eigene - aushalten, dich hemmungslos dem Tanz hingeben und jede Faser deines Körpers von Ekstase erbeben lassen kannst, ohne an Vorsicht und Vernunft zu appellieren oder an die Begrenztheit des Menschseins zu denken.

Es interessiert mich nicht, ob das, was du mir erzählst, wahr ist.

Ich will wissen, ob du andere enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben; ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst, um deine eigene Seele nicht zu verraten; ob du treulos sein kannst, um vertrauenswürdig zu bleiben.

Ich will wissen, ob du die Schönheit des Alltäglichen erkennen kannst, selbst wenn sie nicht immer angenehm ist und ob ihre Allgegenwärtigkeit die Quelle ist, aus der du die Kraft zum Leben schöpfst.

Ich will wissen, ob du mit Unzulänglichkeit leben kannst - meiner und deiner eigenen - und immer noch am Seeufer stehst und der silbrigen Scheibe des Vollmonds ein uneingeschränktes "Ja!" zurufst.

Es interessiert mich nicht, wo du wohnst oder wie reich du bist.

Ich will wissen, ob du nach einer kummervoll durchwachten Nacht zermürbt und müde bis auf die Knochen aufstehen kannst, um das Notwendige zu tun, damit deine Kinder versorgt sind.

Es interessiert mich nicht, wen du kennst oder wie du hierher gekommen bist.

Ich will wissen, ob du inmitten des Feuers bei mir ausharren wirst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast.

Ich will wissen, was dich von innen heraus trägt, wenn alles andere weg bricht. Ich will wissen, ob du mit dir selbst allein sein kannst und ob du den, der dir in solch einsamen Momenten deines Lebens Gesellschaft leistet, wirklich magst.

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Early morning - Wiehnachtsmann

Hüüt morgen heff ick den Wiehnachtsmann drapen.

Klor, beten fröh keem mi dat jo vör, man wenn de Kommerz uns al`n Veddeljohr vörher de frohe Botschaft verkünnigt, denn mutt de Wiehnachtsmann woll ok bitieden in de Fööt kamen.

He laber jüst in sien Handy un harr wiss keen gode Verbinnung.

Oder sien Akku weer leddig. Ob jeden Fall weer he in Trabbl un richtig dankbor, as ick em mien Telefonkoort för `ne Telefonzell geev. Leider weer op mien Koort aber blots noch een Snacktakt, so datt he man knapp noch :Hallelu....:seggen kunn, un denn weer Sense.

Watt sünd dat för Tieden..schimp he. : Egolweg piebt dat blots, wenn ick in`n Heven anroop!

De leeve Gott hett mi woll ut Versehen sien Faxnummer geven! Un denn tüdelt ok noch mien Computer - wenn ick dor wat ünner "Weihnachtsfrieden" nahkieken will, mellt sich`n Window mit : Passwort unbekannt:.

De eenzigen, de mit düsse Pieps-Otto klarkaamt, sünd de Kids, wo de Büxenschieters hüüt heet; ick heff al Wunschzeddel kregen, dor denkst du, dat sünd Arbeitsproven vun`n Grafik-Designer.

Un wat de denn för Wünsche hebbt....Lest Johr wull`n lütten Buttje `n niege Muus habben, un as ick em Hilligobend `n söte Krabbelmus mit Käfig - mit Käfig - broch, dor drauh mi sien Mudder mit `n Kammerjäger un he hett mi sien`n ollen Computer-Klicker an`n Baffi knallt!

Nee, laat man...Annerlest hett mi düsse Arabella to`ne Talkshow inlaadt - Thema: Haben sie schon mal mit einem Weihnachtsmann...? Wo ick doch al`n poorhundert Johr old bün! Nee, mi langt dat nu!

Un dormit smeet he sien Handy in de Alster un sien Laptop op`n Müll.

Sienen Dress hett he to`n Kostümverleih brocht un mi`n Tass Tee an`t Bett un seeg miteens akraat so ut as Ida, de mi jüst opweckt harr: "Kuckst mich ja an, als wär ich der Weihnachtsmann" see se un wüss gor nich, wo recht se dormit harr.

Hermann Bärthel aus: Witte Wiehnacht

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Der Engel

Jedes mal, wenn ein gutes Kind stirbt, kommt ein Engel Gottes zur Erde hernieder, nimmt das tote Kind auf seine Arme, breitet die großen, weißen Flügel aus und pflückt eine ganze Handvoll Blumen, die er zu Gott hinaufbringt, damit sie dort noch schöner als auf der Erde blühen. Gott drückt sie dort an sein Herz, aber der Blume, die ihm die liebste ist, gibt er einen Kuss, und dann bekommt sie Stimme und kann in der großen Glückseligkeit mitsingen.

Sieh, alles dieses erzählte ein Engel Gottes, während er ein totes Kind zum Himmel fort trug, und das Kind hörte wie im Traume; sie flogen über die Stätten in der Heimat, wo das Kleine gespielt hatte, und kamen durch Gärten mit herrlichen Blumen.

"Welche wollen wir nun mitnehmen und in den Himmel pflanzen?" fragte der Engel.

Da stand ein schlanker, herrlicher Rosenstock, aber eine böse Hand hatte den Stamm abgebrochen, so dass alle Zweige, voll von großen, halb aufgebrochenen Knospen, vertrocknet rundherum hingen. "Der arme Rosenstock!" sagte das Kind. "Nimm ihn, damit er oben bei Gott zum Blühen kommen kann!"

Und der Engel nahm ihn, küsste das Kind dafür, und das Kleine öffnete seine Augen zur Hälfte. Sie pflückten von den reichen Prachtblumen, nahmen aber auch die verachtete Butterblume und das wilde Stiefmütterchen.

"Nun haben wir Blumen!" sagte das Kind, und der Engel nickte, aber er flog noch nicht zu Gott empor. Es war Nacht und ganz still; sie blieben in der großen Stadt und schwebten in einer der schmalen Gassen umher, wo Haufen Stroh und Asche lagen; es war Umzug gewesen. Da lagen Scherben von Tellern, Gipsstücke, Lumpen und alte Hutköpfe, was alles nicht gut aussah. Der Engel zeigte in allen diesen Wirrwarr hinunter auf einige Scherben eines Blumentopfes und auf einen Klumpen Erde, der da heraus gefallen war. Von den Wurzeln einer großen vertrockneten Feldblume, die nichts taugte und die man deshalb auf die Gasse geworfen hatte, wurde er zusammengehalten. "Diese nehmen wir mit!" sagte der Engel. "Ich werde dir erzählen, während wir fliegen!"

Sie flogen, und der Engel erzählte:

"Dort unten in der schmalen Gasse, in dem niedrigen Keller, wohnte ein armer, kranker Knabe. Von seiner Geburt an war er immer bettlägerig gewesen; wenn es ihm am besten ging, konnte er auf Krücken die kleine Stube ein paar mal auf und nieder gehen, das war alles. An einigen Tagen im Sommer fielen die Sonnenstrahlen während einer halben Stunde bis in den Keller hinab, und wenn der Knabe dasaß und sich von der warmen Sonne bescheinen ließ und das rote Blut durch seine feinen Finger sah, die er vor das Gesicht hielt, dann hieß es: 'Heute ist er aus gewesen!' Er kannte den Wald in seinem herrlichen Frühjahrsgrün nur dadurch, dass ihm des Nachbars Sohn den ersten Buchenzweig brachte, den hielt er über seinem Haupte und träumte dann unter Buchen zu sein, wo die Sonne scheint und die Vögel singen. An einem Frühlingstage brachte ihm des Nachbars Knabe auch Feldblumen, und unter diesen war zufällig eine Wurzel, deshalb wurde sie in einen Blumentopf gepflanzt und am Bette neben das Fenster gestellt. Die Blume war mit einer glücklichen Hand gepflanzt, sie wuchs, trieb neue Zweige und trug jedes Jahr ihre Blumen; sie wurde des kranken Knaben herrlichster Blumengarten, sein kleiner Schatz hier auf Erden; er begoss und pflegte sie und sorgte dafür, dass sie jeden Sonnenstrahl, bis zum letzten, der durch das niedrige Fenster hinunter glitt, erhielt; die Blume selbst verwuchs mit seinen Tränen, denn für ihn blühte sie, verbreitete sie ihren Duft und erfreute das Auge; gegen sie wendete er sich im Tode, da der Herr ihn rief. Ein Jahr ist er nun bei Gott gewesen, ein Jahr hat die Blume vergessen im Fenster gestanden und ist verdorrt und wurde deshalb beim Umziehen hinaus auf die Straße geworfen. Und dies ist die Blume, die vertrocknete Blume, die wir mit in unsern Blumenstrauß genommen haben, denn diese Blume hat mehr erfreut als die reichste Blume im Garten einer Königin!"

"Aber woher weißt du das alles?" fragte das Kind, das der Engel gen Himmel trug. "Ich weiß es", sagte der Engel, "denn ich war selbst der kleine, kranke Knabe, der auf Krücken ging; meine Blume kenne ich wohl!"

Das Kind öffnete seine Augen ganz und sah in des Engels herrliches, frohes Antlitz hinein, und im selben Augenblick befanden sie sich in Gottes Himmel, wo Freude und Glückseligkeit waren. Gott drückte das tote Kind an sein Herz, und da bekam es Schwingen wie der andere Engel und flog Hand in Hand mit ihm. Gott drückte alle Blumen an sein Herz, aber die arme verdorrte Feldblume küsste er, und sie erhielt Stimme und sang mit allen Engeln, welche Gott umschwebten, einige ganz nahe, andere um diese herum in großen Kreisen und immer weiter fort in das Unendliche, aber alle gleich glücklich. Und alle sangen sie, klein und groß, samt dem guten, gesegneten Kinde und der armen Feldblume, die verdorrt dagelegen hatte, hingeworfen in den Kehricht des Umziehtages, in der schmalen, dunklen Gasse.

Hans Christian Andersen

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Das Zündholz und die Kerze

Es kam der Tag, da sprach das Zündholz zur Kerze: „Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden.“ – „Oh nein, nur das nicht“, erschrak die Kerze, „wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt, und niemand mehr wird meine Schönheit bewundern.“ 

Das Zündholz fragte: „Willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?“ – „Brennen tut weh und zehrt an meinen Kräften“, flüsterte die Kerze angstvoll. „So ist es“, entgegnete das Zündholz, „aber das ist das Geheimnis der Berufung: Du und ich, wir sind dazu bestimmt, für andere Licht zu sein. Was ich  als Zündholz tun kann, ist noch weniger als das, was in deinen Kräften liegt. Verweigerst du dich meiner Flamme, so verpasse auch ich den Sinn meines Lebens. Ich wurde dazu geschaffen, Feuer zu entfachen, du bist als Kerze da, um zu leuchten und Wärme zu schenken. Alles, was wir an Schmerz, Leid und Kraft hingeben, wird verwandelt in Licht. Wenn wir uns verzehren, gehen wir nicht verloren. Andere werden das Feuer weitertragen. Nur wer sich verweigert, wird sterben.“ 

Da senkte die Kerze ihren Docht und sprach leise aber bestimmt: „Ich bitte dich, gib mir dein Licht.“ 
Autor unbekannt

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Die Welt als Dorf

Wenn man die Weltbevölkerung auf ein 100 Seelen zählendes Dorf reduzieren
könnte und dabei die Proportionen aller auf der Erde lebenden Völker beibehalten
würde, wäre dieses Dorf folgendermaßen zusammengesetzt:

57 Asiaten
21 Europäer
14 Amerikaner (Nord-, Zentral- und Südamerikaner)
8 Afrikaner
Es gäbe:

52 Frauen und 48 Männer
30 Weiße und 70 nicht Weiße
30 Christen und 70 nicht Christen
89 Heterosexuelle und 11 Homosexuelle
6 Personen besäßen 59% des gesamten Reichtums und alle 6 kämen aus den USA,
80 lebten in maroden Häusern, 70 wären Analphabeten, 50 würden an
Unterernährung leiden, 1 wäre dabei zu sterben, 1 wäre dabei geboren zu werden. 1
besäße einen Computer, 1 (ja, nur einer) hätte einen Universitätsabschluss.

Wenn man die Welt auf diese Weise betrachtet, wird das Bedürfnis nach Akzeptanz
und Verständnis offensichtlich.

Du solltest auch folgendes bedenken:

Wenn Du heute morgen aufgestanden bist und eher gesund als krank warst, hast Du
ein besseres Los gezogen als die Millionen Menschen, die die nächste Woche nicht
mehr erleben werden.

Wenn Du noch nie in der Gefahr einer Schlacht, in der Einsamkeit der
Gefangenschaft, im Todeskampf der Folterung oder im Schraubstock des Hungers
warst, geht es Dir besser als 500 Millionen Menschen.

Wenn Du zur Kirche gehen kannst ohne Angst haben zu müssen bedroht, gefoltert
oder getötet zu werden, hast Du mehr Glück als 3 Milliarden Menschen.

Wenn Du Essen im Kühlschrank, Kleider am Leib, ein Dach über dem Kopf und einen
Platz zum Schlafen hast, bist du reicher als 75% der Menschen dieser Erde.

Wenn Du Geld auf der Bank, in Deinem Portemonnaie und im Sparschwein hast,
gehörst Du zu den privilegiertesten 8% dieser Welt.

Wenn Deine Eltern noch leben und immer noch verheiratet sind, bist Du schon
wahrlich eine Rarität.

Wenn Du diese Nachricht erhältst, bist Du direkt zweifach gesegnet:

Zum einen weil jemand an Dich gedacht hat, und zum anderen weil Du nicht zu den
zwei Milliarden Menschen gehörst, die nicht lesen können.

Arbeite, als bräuchtest Du kein Geld.
Liebe, als habe Dir nie jemand etwas zu leide getan.
Tanze, als ob niemand Dich beobachte.
Singe, als ob niemand Dir zuhöre.
Lebe, als sei das Paradies auf Erden.
Denkt mal darüber nach.. und ihr werdet das Leben mit ganz anderen Augen sehen..
glaubt mir..

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Das perfekte Herz

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe.

Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: "Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines." Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken..... genau gesagt .... an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten.

Die Leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie? Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: "Du musst scherzen", sagte er, "dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen."

"Ja", sagte der alte Mann, "Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe | gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen.

Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde....und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?"

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an.

Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite.

Narben auf dem Körper bedeuten, dass man gelebt hat....
Narben auf der Seele bedeuten, dass man geliebt hat....

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Wo Himmel und Erde sich berühren (Beitrag von Dani)

Es waren zwei Mönche, die lasen miteinander in einem altem Buch, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem der Himmel und die Erde sich berühren.

Sie beschlossen, ihn zu suchen und nicht umzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten.

Sie durchwanderten die Welt, bestanden unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt fordert, und alle Versuchungen, die einen Menschen vom Ziel abbringen können.

Eine Tür sei dort, so hatten sie gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott.

Schließlich fanden sie was sie suchten. Sie klopften an die Tür, bebenden Herzens sahen sie wie sie sich öffnete, und als sie eintraten standen sie zu Hause in Ihrer Klosterzelle. Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet sich auf dieser Erde, an der Stelle, die Gott uns zugewiesen hat.

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Der Engel, der Mensch werden wollte

Es war einmal ein kleiner Engel im Himmel, der die Menschen mit solcher Nähe und Zärtlichkeit begleitete, dass er den unwiderstehlichen Wunsch empfand, nicht nur mit den Flügeln über die Erde zu schweben und schützend die Menschen zu achten, sondern er wollte selbst auf ihren Straßen und Wegen gehen, einer von ihnen werden.
 
Eines Tages sah er auf der Erde eine eben erblühende Mohnblume. Da schien es dem kleinen Engel als habe er im Himmel noch nie ein solches Rot empfunden, und seine Sehnsucht, zur Erde zu gehören, wuchs. So trat er vor Gottes
Angesicht und bat: "Lass mich auf die Erde, lass mich ein Mensch unter Menschen werden."
 
Da trat ein erhabener, weiser Engel dazu und sagte: "Weißt du auch, dass es auf Erde nicht nur Sonne und Blumen gibt? Es gibt Stürme und Unwetter und allerlei Ungemütliches." "Ja", erwiderte der kleine Engel, "das weiß ich. Doch
sah ich auch einen Menschen, der hatte die Kraft, einen großen Schirm aufzuspannen, so dass zwei Menschen darunter Platz hatten. Es schien mir, den beiden könnte kein Unwetter etwas anhaben."
 
Da lächelte Gott dem kleinen Engel zu.
 
Die Zeit verging, und eines Tages erschien der kleine Engel wieder vor Gottes Angesicht und sprach: "Ich habe mir noch mehr angesehen von der Welt. Es zieht mich mehr und mehr hinunter." Da trat der erhabene, weise Engel wieder hinzu und entgegnete: "Weißt du auch, dass es Nebel und Frost und eine Menge verschiedener Arten von Glatteis gibt auf der Welt?" Da antwortete der kleine Engel: "Ja, ich weiß um manche Gefahren, doch sah ich auch Menschen, die teilten ihre warmen Mäntel. Und andere Menschen, die gingen bei Glatteis Arm in Arm."
 
Da lächelte Gott dem kleinen Engel erneut zu.
 
Als wieder einige Zeit vergangen war, trat der kleine Engel zum dritten Mal vor Gottes Angesicht und bat: "Lass mich ein Mensch werden. So rot blüht der Mohn auf der Erde. Mein Herz ist voll Sehnsucht, etwas zu diesem Blühen beizutragen." Da trat der erhabene, weise Engel ganz nah zu dem kleinen Engel und fragte mit ernster Stimme: "Hast du wirklich genug hinab gesehen, das Leid und das Elend geschaut, die Tränen und Ängste, die Krankheiten, Sünden und den Tod geschaut?" Mit fester Stimme erwiderte der kleine Engel: "Wohl habe ich auch das  Düstere, Traurige und Schreckliche gesehen. Doch ich sah auch einen Menschen, der trocknete einem anderen die Tränen, der vergab einem Schuldige und der reichte einem Sterbenden die Hand. Ich sah eine Mutter, die wiegte ihr krankes, ausgemergeltes Kind durch viele Nächte und wurde nicht müde, die alte leise Melodie der Hoffnung zu summen. Solch ein Mensch möchte ich werden."
 
Da trat der erhabene weise Engel zurück und Gott schenkte dem kleinen Engel seinen Segen und gab ihm viel Himmelslicht mit auf die lange Reise.


Bevor der kleine Engel zur Erde stieg, nahm ihm der erhabene, weise Engel einen Flügel ab, und der andere Flügel wurde unsichtbar. Da fragte der kleine Engel: "Mein Gott, wie soll ich vorwärts kommen und wie zurückfinden ohne Flügel?"
 
"Das herauszufinden wird deine Lebensaufgabe sein", hörte er Gottes Stimme zärtlich sagen.
 
In dieser Nacht kam ein kleines Kind zur Welt. Seine Mutter, noch vor Schmerz und Anstrengung betäubt, nahm das Kind in die Arme, sah das Himmelslicht wie einen Lockenkranz um das Köpfchen des Kindes leichten und flüsterte: "Sei willkommen unter uns,  mein kleiner Engel."
 
Noch lange sah man das Himmelslicht um das Kind. Doch wie das Leben so ist, es beschmutzt auch die reinsten, hellsten Lichter. All die vielen Einflüsse, die Härte und der Kampf taten ein übriges - bald sah niemand mehr, dass der Mensch himmlisches Licht in sich trug. Zwar machte sich der unsichtbare Flügel hie und da bemerkbar. Doch was bei dem Kind als träumerischer, schwebender Schritt wahrgenommen wurde, das wirkte bei dem Heranwachsenden eher als unsicheres Schwanken und beim Erwachsenen dann nur noch als Hinken und Stolpern.
 
Je länger der Mensch, der einst ein Engel gewesen war, auf den staubigen und steinigen Wegen  des Lebens ging, die mühsamen Treppen bestieg, die steil abfallenden, dornigen Hänge hinunterstrauchelte, desto mehr hatte er vergessen, woher er kam und weshalb er hier wanderte. Einzig die große Liebe zu den kleinen roten Mohnblumen, die an Wegrändern und Magerwiesen blühten, war ihm geblieben.
 
Viel Leidvolles begegnete dem Menschen auf seinem Lebensweg. Zwar konnte er manchmal eine Träne trocknen, zwar reichte er ab und zu einem schwankenden Mitmenschen die Hand, zwar brach er zuweilen sein Brot mit einem Hungernden, doch die meisten Rätsel blieben, und er merkte mehr und mehr, wie wenig er tun konnte und wie viel er unerledigt zurücklassen musste. Seine Kraft reichte nur für ganz wenig, und oft schien es ihm, als bewirkte sein Leben
nichts.
 
Jeden Frühling aber blühte neuer Mohn an den Straßenrändern und erfreute des Menschen Herz. Nach einem besonders langen, kalten Winter, in dem der Mensch kaum genug Wärme und Schutz, Raum und Nahrung, Freundschaft und Brot gefunden hatte, konnte er sich nur noch langsam und mühsam fortbewegen. Er musste viele Pausen machen und schlief oft vor Erschöpfung am Wegrand ein.
 
Da erblickte er weit über sich auf einem unerreichbar hohen Felsen eine kleine Wiese voll roten Mohns. Der Mensch rieb sich die Augen. So rot, so rot erblühte der Mohn. Beim Anblick dieser Blumen wünschte er so sehr, dass er allen Menschen, denen er begegnete, und allen Tieren, die um ihn waren, eine solche Blume und ein klares, inniges Rot als Zeichen der Liebe schenken dürfte.
 
Da bemerkte er neben sich einen Wanderer, genauso müde, genauso gezeichnet von der langen Straße wie er. "Wohin schaust du so voller Sehnsucht und voller Wehmut?" fragte dieser. "Dort auf die Mohnblüten. So müsste die Farbe unserer Liebe sein." "Weißt du denn nicht, wie schnell diese Art Blumen welken, wie verwundbar sie sind?" kam die Frage des Wanderers. Der Mensch, der einst ein Engel gewesen war, flüsterte: "Ich weiß um ihre Sterblichkeit. Trotzdem ist kein roteres Rot in der Welt und in meinem Herzen. Diese Blumen sind wie die Liebe, mag das Äußere auch verwelken, ihr Rot bleibt in der Seele."
 
Da schaute sich die beiden Menschen ins Gesicht und erkannten den  letzten Funken Himmelslicht in den Augen des anderen. Sie sahen, woher sie kamen, wozu sie gewandert waren und wohin sie noch unterwegs waren. Und sie sahen an sich jeweils einen Flügel.
 
Voller Freude umarmten sie sich. Da geschah das Wunder. Sie erreichten das Mohnfeld, gemeinsam konnten sie fliegen, denn...
 
Menschen sind Engel mit nur einem Flügel - wenn sie ihr Ziel erreichen
wollen und fliegen, müssen sie einander umarmen.


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Mein Wunschzettel

Es sind noch 25 Tage bis Weihnachten. Also höchste Zeit mal drüber nach zu denken was man alles so unter den Baum gelegt bekommen möchte. Dieses Jahr wünsche ich mir etwas das wünsche ich mir jedes Jahr.

Nur hab ich es leider noch nie bekommen. Wahrscheinlich liegt das daran das ich es nie auf einen Wunschzettel geschrieben oder es mir laut gewünscht habe.

Mein Wunsch kommt aus tiefem Herzen. Aber nicht jeder kann mir meinen Wunsch erfüllen. Eigentlich kann das nur einer. Nein, nicht der Weihnachtsmann oder das Christkind, nein, meinen Wunsch kann mir nur mein Papa erfüllen.

Ich liebe meinen Papa. Es ist schön wenn wir zusammen sind. Wenn wir z.B. wie neulich unseren Kamin reparieren. Nur er und ich. Ich mag wie wir uns gegenseitig helfen unsere Gedanken austauschen wie wir dieses oder jenes Problem am besten lösen. Oder zusammen noch mal mit dem Auto losfahren müssen, weil wir was vergessen haben. Dann lässt er mich fahren und ärgert sich dann weil er nicht seinen Sender im Radio hören kann. Denn wer fährt bestimmt den Sender.

Diese Zeit mit meinem Papa ist mir sehr wichtig, denn ich bin auch erwachsen und hab daher nicht mehr so viel Zeit wie früher. Ich steh schließlich schon mitten im Leben. Ich habe ein Ziel, will was erreichen in meinem Leben. Studieren, vielleicht mal heiraten, Kinder haben.

Aber vorher hab Ich diesen einen Wunsch.

Den Wunsch den mir nur mein Papa erfüllen kann. Mein Wunsch kostet auch kein Geld und ist nicht für mich allein, nein, den Wunsch den ich an Papa habe ist für unsere ganze Familie. Er ist genauso für Mama, wie für meinen Bruder wie auch für mich.

Aber das beste an dem Wunsch ist, dass Papa da am meisten von hätte, da bin ich mir sicher.

Eigentlich so könnte man meinen, müsste Papa doch begeistert sein das ich mir so etwas tolles von Ihm wünsche. Er erfüllt mir meinen einen Wunsch und macht so auf einen Streich seine ganze Familie glücklich.

Was kann sich ein Vater von zwei Kinder und Ehemann besseres vorstellen als das seine Familie glücklich ist? Das seine Familie zu Ihm aufschaut und allen Leuten lächelnd erzählt, ob sie es hören wollen oder nicht: „Wir haben den besten Papa der Welt!“

Aber vorher hab ich noch meinen Wunsch.

Nur den einen für uns alle. Den Wunsch für die ganze Familie. Sonnst nichts. Ich wünsche mir keine wärmenden Anziehsachen, keinen Krimskrams zum Spielen, kein Geld um mir etwas schönes zu kaufen. Ich wünsche mir auch kein tolles Weihnachtessen von Ihm, oder das Schnee fällt am heiligen Abend und wir zusammen weiße Weihnacht feiern.

Das sind alles Dinge auf die ICH verzichten würde, wenn mein Papa mir diesen einen Wunsch erfüllt.

Diesen einzigen Wunsch.

Den Wunsch den ich schon seit Jahren habe.

Den Wunsch den ich immer wieder haben werde.

Den Wunsch den ich als einzigen nie bekommen habe.

Ich würde auf all das, was Weihnachten ausmacht verzichten, wenn mein Papa nur selber auf etwas verzichten könnte.

Wenn mein Papa nur auf den Alkohol verzichten könnte. Denn nur wenn er nüchtern ist, erkenne ich den Mann den ich liebe. Nur wenn er nüchtern ist erkenne ich in Ihm meinen Papa.

Ich liebe Dich Papa und ich werde immer für Dich da sein. Genau wie der Rest der Familie immer für Dich da war, da ist und immer für Dich da sein wird.

Doch meinen Wunsch Papa, den kannst nur Du alleine mir erfüllen.

Geschrieben von Ronny Larosch

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Ein besonderes Geschenk

Eine weise Frau reiste durch die Berge. Eines Tages fand sie dort in einem Bachlauf einen sehr, sehr wertvollen Stein.

Am nächsten Tag traf sie einen anderen Wanderer. Der Mann war hungrig und die weise Frau öffnete ihre Tasche, um mit ihm ihr Brot zu teilen. Der Wanderer sah den wundervollen Stein in der Tasche.

"Gib mir den Stein" sagte er.

Die Frau reichte dem Mann ohne jedes Zögern den Stein. Der machte sich schnell davon, denn ihm war klar, dass der Stein sehr, sehr wertvoll war und dass er nun den Rest seines Lebens sorgenfrei verbringen konnte.

Einige Tage später kam der Mann jedoch zurück zu der weisen Frau und gab ihr den Stein wieder.

"Ich habe nachgedacht." sagte er. "Ich weiß, wie wertvoll dieser Stein ist. Aber ich gebe ihn dir zurück. Das tue ich in der Hoffnung, dass du mir etwas viel Wertvolleres dafür schenken kannst. Bitte gib mir etwas davon, was es dir möglich machte, mir diesen Stein zu schenken."

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Frohes Fest

Vier
Kerzen
brannten am
Adventskranz.
Es war ganz still.
So still, daß man hörte
wie die Kerzen zu reden begannen.
Die erste Kerze
seufzte und sagte: „Ich
heiße Frieden. Mein Licht leuchtet,
aber die Menschen halten keinen Frieden,
sie wollen mich nicht“. Ihr Licht wurde kleiner
und kleiner und verlosch schließlich ganz.
Die zweite Kerze
flackerte und sagt: „Ich
heiße Glauben. Aber ich bin
überflüssig. Die Menschen wollen von
Gott nichts wissen. Es hat keinen Sinn mehr,
daß ich brenne“. Ein Luftzug wehte durch den Raum
und die zweite Kerze  war aus.
 Leise und sehr
traurig meldete sich nun die
dritte Kerze zu Wort: „Ich heiße
Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen.
Die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen
nur sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen“.
Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.
Da kam ein Kind
ins Zimmer. Es schaute
die Kerzen an und sagte: „Aber
ihr sollt doch brennen und nicht aus sein“.
Und fast fing es an zu weinen. Da meldete sich
die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: Hab keine Angst.
So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wie
der anzünden. Ich heiße Hoffnung“. Mit einem Hölzchen nahm das
Kind Licht von dieser Kerze und zündete die anderen Lichter wieder an.
Der Autordieser klei-
nen Weih-
nachtsge-
schichte ist
unbekannt.

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Die Kerzenmeditation
 

Anke: In dieser Zeit werden überall die Kerzen am Adventskranz angezündet. In vielen Häusern sitzen die Menschen um die Lichter herum und freuen sich. Eltern und Kinder warten auf Weihnachten. Ich will meine Kerze hier anzünden. Ich gebe ihr den Namen Vertrauen. Eltern und Kinder vertrauen einander. So soll diese Kerze ein Zeichen des Vertrauens sein

  

Will zum Altar um die Kerze anzuzünden

Name: Zünde sie nicht an! Wo gibt es noch Vertrauen in der Welt? Einer betrübt den anderen. Es ist so dunkel um uns herum geworden. Es ist Nacht, in der keiner mehr den anderen sieht. Wir haben das Licht des Vertrauens auslöschen lassen.

 

Anke: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mit, dass ich vertrauen kann, wenn sonst alles Vertrauen verloren gegangen ist. Es sagt uns: Gott vergisst uns nicht.

Geht zum Altar und zündet die Kerze an

Johannes: Ich will meine Kerze anzünden. Ich gebe ihr den Namen Freude. Die Adventszeit ist die Zeit der Freude und des Wartens. Kinder und Eltern freuen sich auf diese Zeit, freuen sich auf Weihnachten

Will zum Altar gehen

Name: In unserer Zeit ist es so kalt geworden, dass von der Freude nichts mehr zu spüren ist. Für viele ist die Freude gestorben. Viele sind arbeitslos, andere sind alleine und hoffen nur, dass diese Zeit bald vorüber geht, weil sie das Alleinsein doppelt so hat spüren

 

Johannes: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mir, dass ich mich freuen kann, wenn sonst alle Freude verlorengegangen ist. Es sagt uns: Freut euch denn Gott hat uns nicht vergessen.

Geht zum Altar und zündet die Kerze an

Jacqueline: Ich will auch meine Kerze anzünden. Ich gebe ihr den Namen Frieden. Sie soll brennen, weil es gut ist, wenn wir Menschen annehmen, wenn wir einander helfen und füreinander da sind. Kinder und Erwachsene wünschen sich Frieden. Wir sind glücklich, wenn dieses Friedenslicht brennen kann

Will zum Altar gehen

Name: Frieden? Bei manchen stehen die Raketen bereits vor der Haustür. Es gibt Waffen, die andere Menschen und Völker zu Feinden machen und nur auf Vernichtung aus sind und töten. Und die Waffen sind so mächtig, dass andere und uns selbst vernichten können. Wir sind verloren. Unsere Welt hat keine Zukunft mehr.

 

Jacqueline: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mir, dass Gott den Frieden schenkt, wenn sonst aller Frieden droht verloren zu gehen. Ich zünde das Licht an, weil ich vertrauen will, weil ich mich freuen will auf den Frieden, der uns gerade in dieser Zeit, in der Adventszeit wieder neu versprochen wir

Geht zum Altar und zündet die Kerze an

Natalie: Meine Kerze möchte ich auch anzünden. Sie soll für die Liebe brennen. Gerade die Adventszeit ist die Zeit der Liebe und Güte. Das Licht soll die Herzen der Menschen erwärmen

 

Name: Liebe? Wo gibt es denn noch aufrichtige Liebe. Viele sind voller Neid und Misstrauen und denken nur an ihren eigenen Vorteil

 

Natalie: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mir, dass der Funke der Liebe nicht verlöschen wird sondern lässt mich hoffen, dass er wieder aufflackern kann.