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Melwin war ein Engel. Kein besonders bedeutender Engel. Er saß nicht zur rechten Hand Gottes. Wenn alle Engel sich versammelten und sich niedersetzten, um Gottes Weisheit zu vernehmen, blieb Melwin im Hintergrund stehen. Melwin stand da, mit Eimer und Besen, und wartete. Und wenn er irgendwo ein Stäubchen entdeckte, rannte er gleich hin und kehrte es in seinen Eimer. Das war keine besonders große Aufgabe, wirklich nicht. Engel sind schrecklich sauber. In tausend Jahren konnte es vorkommen, dass einmal eine kleine Feder von irgendwoher herabschwebte. Aber Melwin war sofort zur Stelle und kehrte sie auf. Er wäre ja eigentlich lieber Wolkenwäscher gewesen. Oder noch lieber Sternputzer. Jedes Mal, wenn am himmlischen Anschlagbrett eine freie Stelle angezeigt wurde, war Melwin als erster da. Aber wenn er dann den Wolkenschrubber nehmen und die Wolken abschrubben sollte, war das Ding so groß, dass Melwin selbst unter die Borsten geriet und geschrubbt wurde. Und auch die Putztücher der Sternputzer konnte Melwin kaum hochheben. Wenn es ihm einmal gelang, dann blähte sich das Riesentuch auf und hüllte ihn in seine großen, weichen Falten, so dass er überhaupt nicht mehr zu sehen war. Aber Melwin gab nicht auf. Und eines schönen Tages - wer hätte das gedacht -, war er nicht nur als erster da, um sich zu bewerben. Er war sogar der einzige. »Was denn, bin ich zu früh?« fragte Melwin den Engel vom Dienst. Der Engel vom Dienst sah gar nicht von dem großen Hauptbuch auf, sondern schrieb weiter, Zeile um Zeile, mit dem langen Federkiel. »Nein«, sagte er. »Oder bin ich zu spät?« fragte Melwin. Der Engel vom Dienst malte den Querstrich des Buchstabens T und setzte einen Punkt auf das i. »Du bist rechtzeitig gekommen.« Er hielt Melwin ein Putztuch hin. »Geh zehn Millionen Meilen in westlicher Richtung und dann einen Schritt nach links. Da findest du den Stern, dem du zugeteilt worden bist.« Melwin traute seinen Ohren kaum. Er war Sternputzer geworden. Und seinen Augen wollte er auch nicht trauen: Das Putztuch hatte genau die richtige Größe für seine Hände. »Es ist nur ein sehr kleiner Stern«, sagte der Engel vom Dienst. »Willst du die Arbeit übernehmen?« »Oh ja, natürlich! « rief Melwin. »Gut. Alle anderen haben nämlich abgelehnt.« Es war auch wirklich kein Stern, mit dem man als Sternputzer viel Aufsehen erregen konnte. Er war schon sehr, sehr klein und glänzte nur matt. Aber er war alles, was Melwin sich je gewünscht hatte. Er putzte seinen Stern morgens und nachmittags. Und spät abends, wenn die anderen Sternputzer ihre Poliertücher schon weggelegt hatten, wischte und rieb Melwin immer noch weiter. Wenn er dann schließlich nach Hause gehen wollte, konnte er sich kaum losreißen. Immer wieder kam er zurück und wischte noch mal mit dem Ärmel über den Stern. Und ganz allmählich, nach und nach, viele Tage, viele Jahre, vielleicht sogar zweitausend Jahre später, fing Melwins glanzloser Stern an zu glänzen. Der Himmelsstrich, wo er stand, war früher finster und unheildrohend gewesen. Nun wurde er heller und freundlicher. Melwin war bei seiner Arbeit so froh, dass die Zeit verging wie im Fluge. Und er hätte auch bestimmt nichts von dem großen Wettbewerb erfahren, wenn sein Freund Gamaliel ihn nicht besucht hätte. Aber Gamaliel kam zu Besuch, und als er sah, wie Melwins Stern glänzte und funkelte, sagte er: »Du solltest dich mit deinem Stern an dem großen Stern-Wettbewerb beteiligen, Melwin. « Melwin sah sich nach seinem Stern um. »Er ist sehr klein für einen Wettbewerb. « »Von groß oder klein war nicht die Rede«, sagte Gamaliel. »Du hast da einen sehr schönen, strahlenden Stern, Melwin.« »Das stimmt«, sagte Melwin. Diesmal war Melwin aber nicht der erste in der Reihe. Nein, er war der Aller-Allerletzte. Vor ihm standen die großen Sternputzer-Engel, einer immer noch größer und mächtiger als der andere. Und jeder trug einen riesengroßen, leuchtenden Stern. Gamaliel stieß Melwin mit dem Ellenbogen an. »Vielleicht hätten wir doch nicht herkommen sollen«, flüsterte er. »Größe allein macht's nicht«, sagte Melwin, und rieb noch einmal über seinen Stern. Die lange Reihe der Sternputzer rückte langsam vor und zog an Gottes Thron vorbei. Und bei jedem der großartigen, glitzernden Sterne, die ihm vorgeführt wurden, schüttelte der Herrgott den Kopf. »Nein, nein«, sagte er. »Das ist nicht der richtige für einen Geburtstag.« Schließlich war nur noch Melwin übrig. Aber gerade in dem Augenblick, als Melwin mit seinem Stern vor den Herrgott treten sollte, erscholl ein Trompetenstoß. Der Himmel erzitterte, und die Engel erhoben mutlos die Hände. Der Erzengel Gabriel war gekommen, um sich mit seinem Stern an dem Wettbewerb zu beteiligen. Und der Erzengel Gabriel gewann jeden Wettbewerb. Mit seiner großen, goldenen Trompete in der rechten Hand und dem prachtvollen Stern in der linken, schritt Gabriel durch die Reihen der Engel. Er hielt Gott seinen Stern hin, und der Stern blitzte und funkelte in allen Farben, die es j e gegeben hatte und die es j e geben würde. Dann trat Gabriel zurück und wartete darauf, zum Sieger ausgerufen zu werden. Aber der Herrgott, der alles sieht, sah Melwin dastehen und warten. »Der Wettbewerb ist noch nicht abgeschlossen«, sagte er. »Komm, Melwin. Zeig mir deinen Stern.« Melwin trat vor und hielt seinen Stern hoch. Der Herrgott sah zu dem Stern herab, der ruhig und freundlich strahlte, und er nickte ein paar Mal und lächelte. »Du hast es verstanden, Melwin«, sagte der Herrgott. »Das ist der richtige Stern.« Alle Engel im Himmel jubelten und Gabriel ließ seine goldene Trompete erschallen. »Komm mit mir, Melwin«, sagte der Herrgott. Melwin fasste seinen Stern fester und lief hinter dem Herrgott her, der quer durch den Himmel schritt. Ab und zu sah der Herrgott sich um und betrachtete Melwins Stern und sein warmes, freundliches Licht. »Doch, der wird ihm gefallen«, sagte er. »Der wird ihm bestimmt gefallen. « Schließlich blieb der Herrgott vor einem dunklen, weiten Wolkenloch stehen. »Stell ihn hierher, Melwin. Ja so. Genau so.« »Wie gut er dahin passt«, sagte der Herrgott. »Sein Licht macht alles froh, was er bescheint. Sieh nur, Melwin. Sieh nur.« Melwin gab seinem Stern noch einen letzten Wischer mit dem Ärmel. Und dann, während der Stern noch strahlender und heller aufleuchtete, sah er hinab - auf die kleine Stadt Bethlehem. Melwins Stern von Nathan Zimelman, Anette Bley Ein kleiner Junge stand vor einer Krippe, die sein Großvater geschnitzt hatte. Als der Kleine die Figuren intensiv anschaute, fingen diese plötzlich an, lebendig zu werden. Als er das Jesuskind anschaute, schaute das Kind auch ihn an. Da bekam der Junge einen Schreck, und Tränen traten ihm in die Augen. "Warum weinst du denn?" fragte das Jesuskind. "Weil ich dir nichts mitgebracht habe", sagte der Junge. „Was kann ich dir nur schenken?“ "Ich würde gerne etwas von dir bekommen", entgegnete das Jesuskind. Da wurde der Kleine rot vor Freude: "Ich will dir alles schenken, was ich habe", stammelte er. "Drei Sachen kannst du mir geben", sagte das Jesuskind. Der Kleine fiel ihm aufgeregt ins Wort: "Meinen neuen Mantel, meine elektrische Eisenbahn, meine spannende DVD ..."?- Nein", entgegnete das Jesuskind, "das alles brauche ich nicht. Schenk mir deinen letzten Schul-Aufsatz." Wieder erschrak der Kleine. "Jesus", flüsterte er verlegen... „da hat doch der Lehrer ungenügend darunter geschrieben". "Eben deshalb will ich ihn haben", antwortete das Jesuskind. Du kannst mir immer das bringen, worauf 'ungenügend' steht. Versprichst du mir das?“ "Oh, sehr gern" antwortete der Junge und war sehr verwundert. "Aber ich will noch ein zweites Geschenk von dir", sprach das Jesuskind..., "deinen Milchbecher". "Aber den habe ich doch heute zerbrochen", entgegnete der Junge. Das Jesuskind antwortete sanft: "Du sollst mir immer das bringen, was du im Leben zerbrochen hast. Gib es mir. Ich will es wieder heil machen. Und nun zu meinem dritten Wunsch: Du sollst mir noch die Antwort bringen, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbecher kaputtgegangen wäre". Da senkte der Kleine die Augen und weinte: "Ich, ich, ich ..."brachte er unter Schluchzen mühsam heraus... „ich sagte ihr, dass ich den Becher aus Versehen umgestoßen hätte. In Wahrheit habe ich ihn absichtlich auf die Erde geworfen." "Ja, all deine Lügen, deinen Trotz, Bitterkeit, - alles Böse, das du getan hast, sollst du mir bringen", sagte das Jesuskind. Wenn du das tust, will ich dir helfen, es zu überwinden. Ich will dich annehmen in deiner Schwäche. Ich will dir vergeben, dich an deiner Hand nehmen und dir den Weg zeigen zum Guten. „All das lässt du dir schenken?“ rief der Junge erstaunt, und spürte, wie eine Last von ihm wich. Noch nie war ihm die wahre Bedeutung von Weihnachten so klar geworden. Nun waren die Krippefiguren wieder verstummt. Nicht weil sie nicht mehr reden wollten, sondern weil das Wesentliche immer im Herzen geschieht und dort zu leben beginnt, wo ein Kind anfängt, zu fragen: „Jesus, was kann ich dir schenken?“ Als doch noch Weihnachten wurde „Ich kann nicht mehr an Gottes Liebe glauben! Ich kann nicht! Meine Ehe - die Kinder- meine Krankheit! Nun hat auch noch mein Kleinster, der meine ganze Wonne und Freude war, durch eine Meningitis (Hirnhautentzündung) das Gehör verloren. Nennen sie das etwa Liebe Gottes in meinem Leben? Meine Frau macht mir die Kinder abspenstig – mich behandelt sie wie einen Aussätzigen. Das Geld, das für den Haushalt verwendet werden soll, verwettet sie. Die Kinder verloddern und gehorchen nicht mehr. Und ich – ich liege hier festgenagelt mit meiner Lungensache. Ich kann nicht mehr an Gottes Liebe glauben – ich kann nicht! Verstehen Sie das? Und – und ich will es auch nicht! Verbittert kommt es von den Lippen dieses schwerkranken Mannes. Ich wage nicht, noch weiter über die Liebe Gottes mit ihm zu reden. Mehr beten will ich für ihn, dessen Seele so wund ist in allem Leid und in aller Bitternis. „Haben Sie ein Bild von Ihrem kleinen Horst da?“ frag ich ihn unvermittelt, um zu verhüten, dass er sich in noch mehr Bitterkeit hineinredet. „Das ist es ja eben!“ poltert es aus ihm heraus. „Das ist ja eben!“ poltert es aus ihm heraus. „nicht einmal den bescheidenen Wunsch erfüllt mir meine Frau, dass sie mir ein Bild von dem Kleinen lässt. Dabei weiß sie genau, wie sehr ich grad an diesem Kind hänge! Das bestärkt mich nur noch mehr, mich von ihr scheiden zu lassen. – Ach, wissen Sie, mich ekelt das Leben nur noch an! Ich werde vom Krankenbett weg an den Fernsprecher gerufen und kann im Augenblick nicht wieder zu dem Kranken zurückkehren. Immer wieder versuchte ich in den nächsten Tagen, dem armen Kranken eine kleine Freude zu machen. Ich stellte ihm ein Gotteswort auf seinen Nachttisch, streiche ihm schnell einmal im Vorbeigehen über die feuchte Stirn oder bringe ihm, da es Weihnachten werden will ein Adventszweiglein. Über Gottes Liebe rede ich nicht mehr mit ihm, sondern bete mehr denn je, dass Gott sich seiner erbarmen möge. Neue Anschuldigungen In aller Herzlichkeit schreibe ich an die Ehefrau und erbitte ein Bild des Kleinsten für den Kranken zu Weihnachten. Wie ein Wunder ist es das die Frau mich umeine Aussprache bittet. Wir verabreden uns im Amt. Mir tut das Herz weh über soviel Härte. Nur Anschuldigungen hat sie für den Mann, der so schwer danieder liegt. Hat sie denn überhaupt kein bisschen Mitgefühl mehr für ihn, der so leiden und sich quälen muss? Ich erzähle ihr, wie sehr sich ihr Mann nah Frau und Kinder sehnt, wie sehr er sich um sie alle sorgt! Anfangs hat sie nur ein höhnisches Lachen dafür übrig. Als ich dann aber ernst mit ihr darüber rede, wie krank, ja wie sterbenskrank der Mann ist uns sie frage, ob sie denn die letzten Tage ihm so schwer machen will, dass er sich zuletzt noch voller Bitterkeit von ihr scheiden lassen wolle, da scheint doch noch etwas in dem Herzen dieser so harten Frau aufzutauen. Nein soweit dürfe es nicht kommen, meint sie. Um der Kinder willen dürfe das nicht geschehen, obgleich er sie alle – nun auch den Kleinsten – angesteckt habe. Wir gehen auseinander, ohne dass ich sagen kann, was bei dem Gespräch herausgekommen ist. Mir hat sich das Leid der Familie als eine schwere Gebetslast auf die Seele gelegt. Weihnachten kommt Für die Kranken wurde die Weihnachtsfeier zwei Tage vorverlegt. Überall auf den Stationen herrscht fröhliche Weihnachtsstimmung bei den Kindern wie bei den Erwachsenen. Die Männer sind wie große übermütige Jungen vor der Weihnachtsbescherung. Überaus wichtig haben sie es mit ihren selbst gebastelten Weihnachtsgeschenken für die Schwestern. Alles ist weihnachtlich und voller Geheimnisse. Nur einer liegt da mit einem so abweisendem Gesicht, als gäbe es für ihn überhaupt keine Weihnachtsfreude, als ginge all das fröhliche Vorbereiten ihn nichts an. Der Weihnachtsbrief Still setzte ich mich zu ihm, als die Feier beginnt und aus rauhen Männerkehlen die alten, schönen Weihnachtslieder erklingen. Still und in sich gekehrt sitzen die Männer da, während einer der Männer das Weihnachtevangelium liest und ihnen die frohe Botschaft der Freude und des Friedens bringt. Mit geschlossenen Augen liegt mein Kranker da. Still betend sitze ich neben ihm. Auf seinen bunten Weihnachtsteller habe ich ihm einen Brief von seiner Frau gelegt. Als er ihn plötzlich erblickt und in Händen hält, zögert er einen Augenblick, ehe er ihn öffnet. Ach, was mag in diesem kurzen Augenblick alles in ihm vorgehen? Ich lasse ihn ein Weilchen allein, um im Sprechzimmer meine eigene Weihnachtspost durchzusehen. Da sehe ich, dass die Frau des Kranken auch mir geschrieben hat. Als ich den Brief öffne fällt mir ein Bild des Kleinsten entgegen. Es ist ein Junge mit einer Hasenscharte – und doch, wie liebt ihn der Vater! Welch eine Weihnachtsfreude, ihm dieses Bildchen bringen zu dürfen! Die Frau bittet mich, das Bild des Jungen auf den Weihnachtstisch zu stellen und ihrem Mann zu sagen, dass sie ihm die Hand zur Versöhnung reichen möchte. Am ersten Feiertag würde sie selbst kommen. „Bitte beten sie mit mir“ Als ich leise die Tür zum Krankenzimmer öffne, liegt mein Kranker mit geschlossenen Augen in seinem Bett. Eine Träne nach der anderen rollt über die abgezehrten Wangen. Er hat mein Kommen nicht bemerkt. Der Brief von seiner Frau liegt auf der Bettdecke. Still leg ich das Bild des Jungen dazu. Plötzlich öffnet er die Augen, sieht erstaunt auf das Bild, dann auf mich. Ein Schluchzen schüttelt den ausgemergelten Körper. Sanft streiche ich ihm übers Haar und will dann gehen. Da greift der Kranke meine Hand und sagt: „ Gestern und vordem wollte ich nicht mehr an Gottes Liebe Glauben – und heute –heute erlebe ich es, dass ER dennoch – dennoch ein Gott der Liebe ist. Hier in diesem Brief bittet meine Frau mich um Verzeihung – und am ersten Weihnachtstag da kommt sie selber. Oh Weihnachten! – Friede auf Erden! Friede auch wieder in unserer Ehe! – Können sie begreifen, was das für mich heißt?“ O ja, ich kann es ein wenig verstehen, wie ihm zumute sein mag. Als ich ihm jetzt noch einmal vom Weihnachtsfrieden und von der Freude sagen darf, von der Liebe Gottes in Christus Jesus, da bittet er mich, mit ihm zu beten und Gott für alles zu danken. Er könne es ja noch nicht – aber er möchte es lernen. Wie gern bete ich mit diesem Kranken! Als seine Kameraden vorsichtig ins Zimmer hereinschauen, strahlt er sie an und ruft: „Kommt nur, kommt! Wir wollen alle zusammen Gott danken! Nun – nun ist auch für mich noch Weihnachten geworden! (aus: Advent und Weihnachten, Lexa Anders, Brockhaus Verlag)
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Urteilen zeugt von einem erstarrtem
Bewusstseinszustand. Und der Kopf möchte immer gerne urteilen, denn es ist
immer riskant und unbequem, in Bewegung zu bleiben. Sei sehr mutig, höre
nicht auf zu wachsen, lebe im Augenblick, bleibe einfach im Fluss des
Lebens.
Die folgende Geschichte trug sich zur Zeit des Laotses
in China zu, und Laotse liebte sie sehr.
Ein alter Mann lebte in einem Dorf, sehr arm, aber
selbst Könige waren neidisch auf ihn, denn er besaß ein wunderschönes weißes
Pferd. Könige boten phantastische Summen für dass Pferd, aber der Mann sagte
dann: "Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Mensch. Und wie
könnte man einen Menschen, einen Freund verkaufen?" Der Mann war arm, aber
sein Pferd verkaufte er nie.
Eines Morgen fand er sein Pferd nicht mehr im Stall.
Das ganze Dorf versammelte sich, und die Leute sagten: "Du dummer alter
Mann! Wir haben immer gewusst, dass das Pferd eines Tages gestohlen würde.
Es wäre besser gewesen, es zu verkaufen. Welch ein Unglück."
Der alte Mann sagte: "Geht nicht so weit, das zu
sagen. Sagt einfach: Das Pferd ist nicht im Stall. Soviel ist Tatsache;
alles andere ist Urteil., Ob es ein Unglück ist oder ein Segen, weiß ich
nicht, weil dies ja nur ein Bruchstück ist. Wer weiß? was darauf folgen
wird?"
Die Leute lachten den Alten aus. Sie hatten schon
immer gewusst, dass er ein bisschen verrückt war. Aber nach fünfzehn Tagen
kehrte eines Abends das Pferd plötzlich zurück. Es war nicht gestohlen
worden, sondern in die Wildnis ausgebrochen. Und nicht nur das, es brachte
auch noch ein Dutzend wilder Pferde mit.
Wieder versammelten sich die Leute, und sie sagten:
"Alter Mann, Du hattest recht. Es war kein Unglück, es hat sich tatsächlich
als ein Segen erwiesen."
Der Alte entgegnete: "Wieder geht ihr zu weit. Sagt
einfach: Das Pferd ist zurück.....Wer weiß, ob das ein Segen ist oder nicht?
Es ist nur ein Bruchstück. Ihr lest nur einen einziges Wort in einem Satz -
wie könnt ihr das ganze Buch beurteilen?"
Dieses Mal wussten nicht viel einzuwenden, aber
innerlich wussten sie, dass der Alte unrecht hatte. Zwölf herrliche Pferde
waren gekommen......
Der alte Mann hatte einen einzigen Sohn, der begann
die Wildpferde zu trainieren. Schon eine Woche später fiel dieser Sohn vom
Pferd und brach sich die Beine.
Wieder versammelten sich die Leute, und wieder
urteilten sie.
Sie sagten: "Wieder hattest du recht! Es war ein
Unglück. Dein einziger Sohn kann nun seine Beine nicht mehr gebrauchen, und
er war die einzige Stütze deines Alters. Jetzt bist du ärmer als je zuvor."
Der Alte antwortete: "Ihr seid besessen vom Urteilen.
Geht nicht so weit. Sagt nur, dass mein Sohn sich die Beine gebrochen hat.
Niemand weiß, ob dies ein Unglück oder ein Segen ist. Das Leben kommt in
Fragmenten, und mehr bekommt ihr nie zu sehen."
Es begab sich, dass das Land nach ein paar Wochen
einen Krieg begann. Alle jungen Männer des Ortes wurden zwangsweise zum
Militär eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er
verkrüppelt war. Der ganze Ort war von Jammern und Wehklagen erfüllt, weil
dieser Krieg nicht zu gewinnen war, und man wusste, dass die meisten der
jungen Männer nicht mehr nach Hause zurückkehren würden.
Sie kamen zu dem alten Mann und sagten: "Du hattest
recht, alter Mann - es hat sich als ein Segen erwiesen. Dein Sohn ist zwar
verkrüppelt, aber immerhin ist er noch bei dir. Unsere Söhne sind für immer
fort."
Der alte Mann antwortete wieder: "Ihr hört nicht auf
zu urteilen. Niemand weiß! Sagt nur dies: Dass man eure Söhne in die Armee
eingezogen hat, und dass mein Sohn nicht eingezogen wurde. Doch nur Gott,
nur das Ganze weiß, ob das ein Glück oder ein Unglück ist."
Urteile nicht, sonst wirst du nie eins werden mit dem
Ganzen. Du wirst von Bruchstücken besessen sein, aus kleinen Dingen wirst du
voreilige Schlüsse ziehen. Wenn du zu urteilen anfängst, hast du zu wachsen
aufgehört. Urteilen zeugt von einem erstarrten Bewusstseinszustand. Und der
Kopf möchte immer gerne urteilen, denn es ist immer riskant und unbequem in
Bewegung zu bleiben.
Tatsächlich ist die Reise nie zu Ende. Der Pfad endet
- ein anderer beginnt, die eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich.
Du erklimmst einen Gipfel, es gibt immer einen höheren Gipfel. Gott ist eine
endlose Reise. Nur Menschen, die mutig genug sind, sich über das Ziel keine
Sorgen zu machen, die mit dem Reisen zufrieden sind. die zufrieden sind nur
im Augenblick zu leben und in ihn hineinzuwachsen, nur solche Menschen sind
fähig, mit dem Ganzen zu gehen.
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Auch wenn unsere Einflussmöglichkeiten
als einzelne und auch als Familien nicht sehr weit reichen, so können wir
doch in unserem Nahbereich einiges tun.
Franz von Sales wurde einmal von einem
Schüler gefragt, was er für den Frieden tun könne. Seine Antwort war:
"Schließen Sie die Tür etwas leiser."
So etwas können wir tun:
Weniger gewaltsam mit den Dingen, auch
mit den kleinen, umgehen; ein wenig gewaltfreier vor allem das tägliche
Miteinander gestalten.
Nicht erst die Faust im Gesicht des
anderen ist Gewalt, sondern auch schon die Faust auf dem Tisch des Hauses
oder der harte, verletzende Ton in der Stimme.
Eltern können unserer Gesellschaft
Kinder schenken, die keine Gewalt von ihnen erleiden mussten und darum
Scheu haben, Gewalt über andere auszuüben.
Nicht weniger wichtig ist die
alltägliche und besondere Mühe um Versöhnung; dass Ehepartner, Eltern und
Kinder, Freunde und Kollegen Schuld nicht als trennende Macht zwischen
sich wachsen lassen, sondern sie durch Vergebung abtragen.
Wir können auch unsere politische
Verantwortung deutlicher wahrnehmen. Dazu gehören wache Aufmerksamkeit für
unfriedliche und kriegerische Situationen, vielleicht aber auch das
Engagement in der Öffentlichkeit für Frieden.
Vieles davon muss im eigenen Herzen
seinen Anfang nehmen. Können aber solch kleine Schritte der Versöhnung und
des Verzichts auf Gewalt den Frieden in der Welt sichern? Nichts, was der
eine oder andere tut oder lässt, ist ohne Folgen für die anderen. Es trägt
mit bei zu klimatischen Veränderungen. Die vielen kleinen Versuche knüpfen
das Netz, das den Frieden der Welt trägt und hält. An diesem Netz können
wir knüpfen - alltäglich - täglich - jetzt!
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Eine besinnliche
Geschichte - zum Nachdenken Zum Nachdenken! Eines Tages bat
eine Lehrerin ihre Schüler, die Namen aller anderen Schüler in der Klasse
auf ein Blatt Papier zu schreiben und ein wenig Platz neben den Namen zu
lassen. Dann sagte sie zu den Schülern, Sie sollten überlegen, was das
Netteste ist, das sie über jeden ihrer Klassenkameraden sagen können und das
sollten sie neben die Namenschreiben. Es dauerte die ganze Stunde, bis jeder
fertig war und bevor sie den Klassenraum verließen, gaben sie ihre Blätter
der Lehrerin. | Am Wochenende schrieb die Lehrerin jeden Schülernamen auf
ein Blatt Papier und daneben die Liste der netten Bemerkungen, die ihre
Mitschüler über den einzelnen aufgeschrieben hatten. | Am Montag gab sie
jedem Schüler seine oder ihre Liste. Schon nach kurzer Zeit lächelten alle.
"Wirklich?", hörte man flüstern .. "Ich wusste gar nicht, dass ich
irgendjemandem was bedeute!" und "Ich wusste nicht, dass mich andere so
mögen" ,waren die Kommentare. Niemand erwähnte danach die Listen wieder. Die
Lehrerin wusste nicht, ob die Schüler sie untereinander oder mit ihren
Eltern diskutiert hatten, aber das machte nichts aus. Die Übung hatte ihren
Zweck erfüllt. Die Schüler waren glücklich mit sich und mit den anderen.
Einige Jahre später war einer der Schüler in Vietnam gefallen und die
Lehrerin ging zum Begräbnis dieses Schülers. Die Kirche war überfüllt mit
vielen Freunden. Einer nach dem anderen, der den jungen Mann geliebt oder
gekannt hatte, ging am Sarg vorbei und erwies ihm die letzte Ehre. Die
Lehrerin ging als letzte und betete vor dem Sarg. Als sie dort stand, sagte
einer der Soldaten, die den Sarg trugen, zu ihr: "Waren Sie Marks Mathe
Lehrerin?" Sie nickte: "Ja". Dann sagte er: "Mark hat sehr oft von Ihnen
gesprochen." Nach dem Begräbnis waren die meisten von Marks früheren
Schulfreunden versammelt. Marks Eltern waren auch da und sie warteten
offenbar sehnsüchtig darauf, mit der Lehrerin zu sprechen. "Wir wollen Ihnen
etwas zeigen", sagte der Vater und zog eine Geldbörse aus seiner Tasche.
"Das wurde gefunden, als Mark gefallen ist. Wir dachten, Sie würden es
erkennen." Aus der Geldbörse zog er ein stark abgenutztes Blatt, das
offensichtlich zusammengeklebt, viele Male gefaltet und auseinandergefaltet
worden war. Die Lehrerin wusste ohne hinzusehen, dass dies eines der Blätter
war, auf denen die netten Dinge standen, die seine Klassenkameraden über
Mark geschrieben hatten. "Wir möchten Ihnen so sehr dafür danken, dass Sie
das gemacht haben" ,sagte Marks Mutter. "Wie Sie sehen können, hat Mark das
sehr geschätzt." Alle früheren Schüler versammelten sich um die Lehrerin.
Charlie lächelte ein bisschen und sagte: "Ich habe meine Liste auch noch.
Sie ist in der obersten Lade in meinem Schreibtisch". Chucks Frau sagte:
"Chuck bat mich, die Liste in unser Hochzeitsalbum zukleben." "Ich habe
meine auch noch", sagte Marilyn. "Sie ist in meinem Tagebuch." Dann griff
Vicki, eine andere Mitschülerin, in ihren Taschenkalender und zeigte ihre
abgegriffene und ausgefranste Liste den anderen. "Ich trage sie immer bei
mir", sagte Vicki und meinte dann: "Ich glaube, wir haben alle die Listen
aufbewahrt." Die Lehrerin war so gerührt, dass sie sich setzen musste und
weinte. Sie weinte um Mark und für alle seine Freunde, die ihn nie mehr
sehen würden. Im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen vergessen wir oft,
dass jedes Leben eines Tages endet und dass wir nicht wissen, wann dieser
Tag sein wird. Deshalb sollte man den Menschen, die man liebt und um die man
sich sorgt, sagen, dass sie etwas Besonderes und Wichtiges sind. Sag es
ihnen, bevor es zu spät ist.
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Die 7 Weltwunder
(Beitrag von Hans-Peter) Eine Gruppe
Schüler wurde gefragt, was die sieben Weltwunder sind. Trotz einiger
Uneinigkeit, bekamen die meisten Wahlstimmen, die die Schüler auf kleine
Zettel geschrieben hatten: 1. Pyramiden,
Als die
Lehrerin die Wahlzettelchen einsammelte, bemerkte sie ein kleines Mädchen,
das noch keinen Zettel abgegeben hatte. "Hast Du Schwierigkeiten mit der
Liste?" fragt die Lehrerin. "Ja, ein
bisschen. Ich konnte mich nicht entscheiden, weil es so viele gibt." "Nun,
sag uns mal was Du hast. Vielleicht können wir Dir helfen," sagte die
Lehrerin. Das Mädchen
zögerte und las dann vor, "Ich glaube dass die sieben Weltwunder das sind: 1. Berühren Sie zögerte ein
wenig und fügte hinzu: 5. Fühlen Es war still im
Zimmer, dass man eine Stecknadel fallen hören konnte. Wir übersehen
die einfachen und gewöhnlichen Dinge, die wirklich wunderbar sind. Eine kleine
Erinnerung zu Weihnachten, dass wir die wertvollsten Dinge nicht kaufen
können. Merry
Christmas.
Der
kleine Skeptiker
Die Geschichte von
'Oriah Mountain Dreamer', einer indianischen Stammesältesten, die schon
lange in der kanadischen Großstadt Toronto lebt und lehrt.
Diese Oriah hat "Die Einladung"
geschrieben, als sie einmal spät abends von einer Party nach Hause kam. Sie
war genervt und enttäuscht von diesem Abend, an dem es nichts als den
üblichen Smalltalk gegeben hatte. Innerlich aufgewühlt setzte sie sich in
der Dunkelheit an ihren Schreibtisch und lauschte, wie nach und nach die
Geräusche der Großstadt verebbten und es ruhig wurde. Und als es endlich
ganz still war, griff sie nach ihrem Stift und schrieb auf, was sie den
Menschen an diesem Abend eigentlich hatte sagen wollen:
Ich will wissen, ob du deinem Leid auf
den Grund gegangen bist und ob dich die Ungerechtigkeiten des Lebens
geöffnet haben, oder du dich klein machst und verschließt, um dich vor neuen
Verletzungen zu schützen. Ich will wissen, ob du Schmerz - meinen oder
deinen eigenen – ertragen kannst, ohne ihn zu verstecken, zu bemänteln oder
zu lindern.
Ich will wissen, ob du andere enttäuschen
kannst, um dir selbst treu zu bleiben; ob du den Vorwurf des Verrats
ertragen kannst, um deine eigene Seele nicht zu verraten; ob du treulos sein
kannst, um vertrauenswürdig zu bleiben.
Ich will wissen, ob du nach einer
kummervoll durchwachten Nacht zermürbt und müde bis auf die Knochen
aufstehen kannst, um das Notwendige zu tun, damit deine Kinder versorgt
sind.
Ich will wissen, ob du inmitten des
Feuers bei mir ausharren wirst, ohne zurückzuweichen.
Ich will wissen, was dich von innen
heraus trägt, wenn alles andere weg bricht. Ich will wissen, ob du mit dir
selbst allein sein kannst und ob du den, der dir in solch einsamen Momenten
deines Lebens Gesellschaft leistet, wirklich magst.
Early morning - Wiehnachtsmann
Hüüt morgen heff ick den Wiehnachtsmann
drapen.
Klor, beten fröh keem mi dat jo vör, man
wenn de Kommerz uns al`n Veddeljohr vörher de frohe Botschaft verkünnigt,
denn mutt de Wiehnachtsmann woll ok bitieden in de Fööt kamen.
He laber jüst in sien Handy un harr wiss
keen gode Verbinnung.
Oder sien Akku weer leddig. Ob jeden Fall
weer he in Trabbl un richtig dankbor, as ick em mien Telefonkoort för `ne
Telefonzell geev. Leider weer op mien Koort aber blots noch een Snacktakt,
so datt he man knapp noch :Hallelu....:seggen kunn, un denn weer Sense.
Watt sünd dat för Tieden..schimp he. :
Egolweg piebt dat blots, wenn ick in`n Heven anroop!
De leeve Gott hett mi woll ut Versehen
sien Faxnummer geven! Un denn tüdelt ok noch mien Computer - wenn ick dor
wat ünner "Weihnachtsfrieden" nahkieken will, mellt sich`n Window mit :
Passwort unbekannt:.
De eenzigen, de mit düsse Pieps-Otto
klarkaamt, sünd de Kids, wo de Büxenschieters hüüt heet; ick heff al
Wunschzeddel kregen, dor denkst du, dat sünd Arbeitsproven vun`n
Grafik-Designer.
Un wat de denn för Wünsche hebbt....Lest
Johr wull`n lütten Buttje `n niege Muus habben, un as ick em Hilligobend `n
söte Krabbelmus mit Käfig - mit Käfig - broch, dor drauh mi sien Mudder mit
`n Kammerjäger un he hett mi sien`n ollen Computer-Klicker an`n Baffi
knallt!
Nee, laat man...Annerlest hett mi düsse
Arabella to`ne Talkshow inlaadt - Thema: Haben sie schon mal mit einem
Weihnachtsmann...? Wo ick doch al`n poorhundert Johr old bün! Nee, mi langt
dat nu!
Un dormit smeet he sien Handy in de
Alster un sien Laptop op`n Müll.
Sienen Dress hett he to`n Kostümverleih
brocht un mi`n Tass Tee an`t Bett un seeg miteens akraat so ut as Ida, de mi
jüst opweckt harr: "Kuckst mich ja an, als wär ich der Weihnachtsmann" see
se un wüss gor nich, wo recht se dormit harr.
Hermann Bärthel aus: Witte Wiehnacht
Jedes mal, wenn ein gutes Kind stirbt,
kommt ein Engel Gottes zur Erde hernieder, nimmt das tote Kind auf seine
Arme, breitet die großen, weißen Flügel aus und pflückt eine ganze Handvoll
Blumen, die er zu Gott hinaufbringt, damit sie dort noch schöner als auf der
Erde blühen. Gott drückt sie dort an sein Herz, aber der Blume, die ihm die
liebste ist, gibt er einen Kuss, und dann bekommt sie Stimme und kann in der
großen Glückseligkeit mitsingen.
Sieh, alles dieses erzählte ein Engel
Gottes, während er ein totes Kind zum Himmel fort trug, und das Kind hörte
wie im Traume; sie flogen über die Stätten in der Heimat, wo das Kleine
gespielt hatte, und kamen durch Gärten mit herrlichen Blumen.
"Welche wollen wir nun mitnehmen und in
den Himmel pflanzen?" fragte der Engel.
Da stand ein schlanker, herrlicher
Rosenstock, aber eine böse Hand hatte den Stamm abgebrochen, so dass alle
Zweige, voll von großen, halb aufgebrochenen Knospen, vertrocknet rundherum
hingen. "Der arme Rosenstock!" sagte das Kind. "Nimm ihn, damit er oben bei
Gott zum Blühen kommen kann!"
Und der Engel nahm ihn, küsste das Kind
dafür, und das Kleine öffnete seine Augen zur Hälfte. Sie pflückten von den
reichen Prachtblumen, nahmen aber auch die verachtete Butterblume und das
wilde Stiefmütterchen.
"Nun haben wir Blumen!" sagte das Kind,
und der Engel nickte, aber er flog noch nicht zu Gott empor. Es war Nacht
und ganz still; sie blieben in der großen Stadt und schwebten in einer der
schmalen Gassen umher, wo Haufen Stroh und Asche lagen; es war Umzug
gewesen. Da lagen Scherben von Tellern, Gipsstücke, Lumpen und alte Hutköpfe,
was alles nicht gut aussah. Der Engel zeigte in allen diesen Wirrwarr
hinunter auf einige Scherben eines Blumentopfes und auf einen Klumpen Erde,
der da heraus gefallen war. Von den Wurzeln einer großen vertrockneten
Feldblume, die nichts taugte und die man deshalb auf die Gasse geworfen
hatte, wurde er zusammengehalten. "Diese nehmen wir mit!" sagte der Engel.
"Ich werde dir erzählen, während wir fliegen!"
Sie flogen, und der Engel erzählte:
"Dort unten in der schmalen Gasse, in dem
niedrigen Keller, wohnte ein armer, kranker Knabe. Von seiner Geburt an war
er immer bettlägerig gewesen; wenn es ihm am besten ging, konnte er auf
Krücken die kleine Stube ein paar mal auf und nieder gehen, das war alles.
An einigen Tagen im Sommer fielen die Sonnenstrahlen während einer halben
Stunde bis in den Keller hinab, und wenn der Knabe dasaß und sich von der
warmen Sonne bescheinen ließ und das rote Blut durch seine feinen Finger
sah, die er vor das Gesicht hielt, dann hieß es: 'Heute ist er aus gewesen!'
Er kannte den Wald in seinem herrlichen Frühjahrsgrün nur dadurch, dass ihm
des Nachbars Sohn den ersten Buchenzweig brachte, den hielt er über seinem
Haupte und träumte dann unter Buchen zu sein, wo die Sonne scheint und die
Vögel singen. An einem Frühlingstage brachte ihm des Nachbars Knabe auch
Feldblumen, und unter diesen war zufällig eine Wurzel, deshalb wurde sie in
einen Blumentopf gepflanzt und am Bette neben das Fenster gestellt. Die
Blume war mit einer glücklichen Hand gepflanzt, sie wuchs, trieb neue Zweige
und trug jedes Jahr ihre Blumen; sie wurde des kranken Knaben herrlichster
Blumengarten, sein kleiner Schatz hier auf Erden; er begoss und pflegte sie
und sorgte dafür, dass sie jeden Sonnenstrahl, bis zum letzten, der durch
das niedrige Fenster hinunter glitt, erhielt; die Blume selbst verwuchs mit
seinen Tränen, denn für ihn blühte sie, verbreitete sie ihren Duft und
erfreute das Auge; gegen sie wendete er sich im Tode, da der Herr ihn rief.
Ein Jahr ist er nun bei Gott gewesen, ein Jahr hat die Blume vergessen im
Fenster gestanden und ist verdorrt und wurde deshalb beim Umziehen hinaus
auf die Straße geworfen. Und dies ist die Blume, die vertrocknete Blume, die
wir mit in unsern Blumenstrauß genommen haben, denn diese Blume hat mehr
erfreut als die reichste Blume im Garten einer Königin!"
"Aber woher weißt du das alles?" fragte
das Kind, das der Engel gen Himmel trug. "Ich weiß es", sagte der Engel,
"denn ich war selbst der kleine, kranke Knabe, der auf Krücken ging; meine
Blume kenne ich wohl!"
Das Kind öffnete seine Augen ganz und sah
in des Engels herrliches, frohes Antlitz hinein, und im selben Augenblick
befanden sie sich in Gottes Himmel, wo Freude und Glückseligkeit waren. Gott
drückte das tote Kind an sein Herz, und da bekam es Schwingen wie der andere
Engel und flog Hand in Hand mit ihm. Gott drückte alle Blumen an sein Herz,
aber die arme verdorrte Feldblume küsste er, und sie erhielt Stimme und sang
mit allen Engeln, welche Gott umschwebten, einige ganz nahe, andere um diese
herum in großen Kreisen und immer weiter fort in das Unendliche, aber alle
gleich glücklich. Und alle sangen sie, klein und groß, samt dem guten,
gesegneten Kinde und der armen Feldblume, die verdorrt dagelegen hatte,
hingeworfen in den Kehricht des Umziehtages, in der schmalen, dunklen Gasse.
Hans Christian Andersen Es kam der Tag, da sprach das
Zündholz zur Kerze: „Ich habe den Auftrag,
Das Zündholz fragte: „Willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?“ – „Brennen tut weh und zehrt an meinen Kräften“, flüsterte die Kerze angstvoll. „So ist es“, entgegnete das Zündholz, „aber das ist das Geheimnis der Berufung: Du und ich, wir sind dazu bestimmt, für andere Licht zu sein. Was ich als Zündholz tun kann, ist noch weniger als das, was in deinen Kräften liegt. Verweigerst du dich meiner Flamme, so verpasse auch ich den Sinn meines Lebens. Ich wurde dazu geschaffen, Feuer zu entfachen, du bist als Kerze da, um zu leuchten und Wärme zu schenken. Alles, was wir an Schmerz, Leid und Kraft hingeben, wird verwandelt in Licht. Wenn wir uns verzehren, gehen wir nicht verloren. Andere werden das Feuer weitertragen. Nur wer sich verweigert, wird sterben.“
Da senkte die Kerze ihren Docht
und sprach leise aber bestimmt: „Ich bitte dich, gib
mir dein Licht.“ Wenn man die Weltbevölkerung auf ein
100 Seelen zählendes Dorf reduzieren Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich, und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz. Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: "Nun, Dein Herz ist nicht mal annähernd so schön, wie meines." Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an. Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig, und es gab einige ausgefranste Ecken..... genau gesagt .... an einigen Stellen waren tiefe Furchen, wo ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an: wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner, dachten sie? Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: "Du musst scherzen", sagte er, "dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen." "Ja", sagte der alte Mann, "Deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit Dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe | gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen, und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau sind, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde....und ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?" Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte. Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen weg, Seite an Seite. Narben auf dem Körper bedeuten,
dass man gelebt hat....
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Wo Himmel und
Erde sich berühren (Beitrag von Dani) Es waren zwei Mönche, die lasen
miteinander in einem altem Buch, am Ende der Welt gebe es einen Ort, an dem
der Himmel und die Erde sich berühren. Sie beschlossen, ihn zu suchen und
nicht umzukehren, ehe sie ihn gefunden hätten. Sie durchwanderten die Welt, bestanden
unzählige Gefahren, erlitten alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die
ganze Welt fordert, und alle Versuchungen, die einen Menschen vom Ziel
abbringen können. Eine Tür sei dort, so hatten sie
gelesen, man brauche nur anzuklopfen und befinde sich bei Gott. Schließlich fanden sie was sie
suchten. Sie klopften an die Tür, bebenden Herzens sahen sie wie sie sich
öffnete, und als sie eintraten standen sie zu Hause in Ihrer Klosterzelle.
Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, befindet
sich auf dieser Erde, an der Stelle, die Gott uns zugewiesen hat.
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Anke: In dieser Zeit werden überall die Kerzen am Adventskranz angezündet. In vielen Häusern sitzen die Menschen um die Lichter herum und freuen sich. Eltern und Kinder warten auf Weihnachten. Ich will meine Kerze hier anzünden. Ich gebe ihr den Namen Vertrauen. Eltern und Kinder vertrauen einander. So soll diese Kerze ein Zeichen des Vertrauens sein |
Will zum Altar um die Kerze anzuzünden |
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Name: Zünde sie nicht an! Wo gibt es noch Vertrauen in der Welt? Einer betrübt den anderen. Es ist so dunkel um uns herum geworden. Es ist Nacht, in der keiner mehr den anderen sieht. Wir haben das Licht des Vertrauens auslöschen lassen. |
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Anke: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mit, dass ich vertrauen kann, wenn sonst alles Vertrauen verloren gegangen ist. Es sagt uns: Gott vergisst uns nicht. |
Geht zum Altar und zündet die Kerze an |
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Johannes: Ich will meine Kerze anzünden. Ich gebe ihr den Namen Freude. Die Adventszeit ist die Zeit der Freude und des Wartens. Kinder und Eltern freuen sich auf diese Zeit, freuen sich auf Weihnachten |
Will zum Altar gehen |
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Name: In unserer Zeit ist es so kalt geworden, dass von der Freude nichts mehr zu spüren ist. Für viele ist die Freude gestorben. Viele sind arbeitslos, andere sind alleine und hoffen nur, dass diese Zeit bald vorüber geht, weil sie das Alleinsein doppelt so hat spüren |
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Johannes: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mir, dass ich mich freuen kann, wenn sonst alle Freude verlorengegangen ist. Es sagt uns: Freut euch denn Gott hat uns nicht vergessen. |
Geht zum Altar und zündet die Kerze an |
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Jacqueline: Ich will auch meine Kerze anzünden. Ich gebe ihr den Namen Frieden. Sie soll brennen, weil es gut ist, wenn wir Menschen annehmen, wenn wir einander helfen und füreinander da sind. Kinder und Erwachsene wünschen sich Frieden. Wir sind glücklich, wenn dieses Friedenslicht brennen kann |
Will zum Altar gehen |
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Name: Frieden? Bei manchen stehen die Raketen bereits vor der Haustür. Es gibt Waffen, die andere Menschen und Völker zu Feinden machen und nur auf Vernichtung aus sind und töten. Und die Waffen sind so mächtig, dass andere und uns selbst vernichten können. Wir sind verloren. Unsere Welt hat keine Zukunft mehr. |
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Jacqueline: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mir, dass Gott den Frieden schenkt, wenn sonst aller Frieden droht verloren zu gehen. Ich zünde das Licht an, weil ich vertrauen will, weil ich mich freuen will auf den Frieden, der uns gerade in dieser Zeit, in der Adventszeit wieder neu versprochen wir |
Geht zum Altar und zündet die Kerze an |
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Natalie: Meine Kerze möchte ich auch anzünden. Sie soll für die Liebe brennen. Gerade die Adventszeit ist die Zeit der Liebe und Güte. Das Licht soll die Herzen der Menschen erwärmen |
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Name: Liebe? Wo gibt es denn noch aufrichtige Liebe. Viele sind voller Neid und Misstrauen und denken nur an ihren eigenen Vorteil |
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Natalie: Ich vertraue diesem Licht. Es sagt mir, dass der Funke der Liebe nicht verlöschen wird sondern lässt mich hoffen, dass er wieder aufflackern kann. |